Völker Russlands: Mari
In Russland leben mehr als 420.000 Angehörige dieses finno-ugrischen Volkes, die meisten von ihnen in den Republiken Mari El und Baschkortostan. Die Eigenbezeichnung der Mari hat iranische Wurzeln und bedeutet „Mensch“ oder „Mann“. Bis zur Revolution von 1917 wurden sie als Tscheremissen bezeichnet. Einer Theorie zufolge geht diese Fremdbezeichnung auf die türkische Wurzel „čer“ zurück, die „kämpfen“ oder „Krieg führen“ bedeutet.
Das wichtigste Fest der Mari ist Peledysch Pajrem, was so viel wie „Blumenfest“ bedeutet. Es markiert den Abschluss der Frühjahrs-Feldarbeiten und wird traditionell im Juni gefeiert. Auf dem Programm stehen Konzerte, Wettbewerbe und Handwerksausstellungen. In der Hauptstadt der Republik Mari El, Joschkar-Ola, zieht zudem ein festlicher Umzug in traditionellen Trachten durch die Straßen.
Viele Mari halten bis heute an ihrem traditionellen Glauben fest. Deshalb werden sie oft als die letzten Heiden Europas bezeichnet. Das Pantheon der Mari umfasst rund vierzig Gottheiten sowie zahlreiche Geister, die mit Opfergaben – meist Haustieren – besänftigt werden. Die religiösen Zeremonien werden von Priestern (Kart), in heiligen Hainen (kusoto) abgehalten.
Als Nationalgericht der Mari gelten die Teigtaschen Podkogyljo. Sie werden aus ungesäuertem Roggen- oder Weizenteig zubereitet und traditionell mit Hasenfleisch, Dachsfleisch oder Fisch gefüllt. Ebenfalls sehr beliebt sind die dreischichtigen Pfannkuchen Komanmelna, die aus verschiedenen Mehlsorten gebacken werden.