5 Bücher von Iwan Turgenew, die man gelesen haben sollte – über Liebe, Leibeigenschaft und starke Frauen
1. „Aufzeichnungen eines Jägers“: Einblicke in das Leben der Leibeigenen auf dem Land
Nach seiner Rückkehr aus dem Ausland reist ein russischer Jäger mit seinem Hund durch die Provinz und hält Geschichten fest, die ihm einfache Bauern erzählen.
Da ist zum Beispiel der Leibeigene Chor. Obwohl er nicht lesen kann, ist er äußerst geschäftstüchtig und hat es sogar zu einigem Wohlstand gebracht. Er versteht sich gut mit dem Gutsbesitzer und lebt getrennt von den anderen Bauern.
Arina hingegen arbeitet als Dienstmagd im Haushalt der Frau eines Petersburger Grafen. Die Hausangestellten dürfen nicht heiraten. Als Arina von einem Diener schwanger wird, schickt der Graf sie auf ein Dorf. Ihr Kind stirbt, und schließlich kauft der örtliche Müller sie als Leibeigene und heiratet sie.
Die Sammlung machte Turgenew bei der russischen Leserschaft schlagartig berühmt. Doch der Zensor, der die Veröffentlichung genehmigt hatte, wurde auf persönlichen Befehl von Zar Nikolaus I. entlassen. Turgenews Kritik an der Leibeigenschaft war zu offensichtlich.
Vielleicht ist es eines der wenigen Bücher der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts, in denen Adlige nur eine Nebenrolle spielen und einfache Bauern im Mittelpunkt stehen.
2. „Väter und Söhne“: Die philosophischen Ansichten des russischen Adels im 19. Jahrhundert kennenlernen
Der düstere Intellektuelle Basarow besucht gemeinsam mit seinem jungen, optimistischen Freund seinen Vater und dessen Onkel. Die drei führen lange Gespräche, kommen jedoch auf keinen gemeinsamen Nenner: Die jüngere Generation hält unbeirrt an ihrer Weltanschauung fest – an der damals modernen Idee, alle Regeln von Anstand und Moral und sogar den Glauben an Gott zu verwerfen.
Die ältere Generation kann diese neue Sichtweise nicht akzeptieren. Basarow geht in seiner radikalen Ablehnung sogar so weit, dass er die Liebe einer klugen und unabhängigen Frau zurückweist.
Durch den Roman lernte die russische Gesellschaft den Nihilismus kennen, verkörpert durch Basarow. Turgenew zeigte zugleich die Schattenseiten einer übertriebenen Emanzipation und führte eine geradezu karikaturhafte Figur ein: eine Dame, die raucht und aus anspruchsvollen Büchern aufgeschnappte Ideen falsch wiedergibt.
Wer sich auch nur ein wenig mit russischer Literatur auskennt, hat wahrscheinlich schon von diesem Roman gehört. In Russland ist sein Titel längst zu einem geflügelten Wort geworden und taucht regelmäßig im Alltag auf.
Der Roman brachte die russische Gesellschaft dazu, über die ewige Frage von „Vätern und Kindern“ und die Konflikte zwischen den Generationen neu nachzudenken. Übrigens lautet der russische Originaltitel wörtlich „Väter und Kinder“.
3. „Asja“: Eine Träne über unerwiderte Liebe vergießen
In Deutschland trifft der Erzähler auf ein seltsames Geschwisterpaar: Gagin und seine Schwester Asja … Oder ist sie überhaupt seine Schwester? Der Erzähler und Asja fühlen sich zueinander hingezogen, doch ihre Liebe ist nicht dazu bestimmt, Erfüllung zu finden.
Turgenews fiktive Frauenfiguren sind tiefgründige und vielschichtige Charaktere, deren Erfahrungen die ganze Bandbreite abdecken, deren Gefühle authentisch sind und deren Moralvorstellungen – vor allem – gefestigter sind als die ihrer männlichen Pendants.
In der russischen Literatur gibt es ohnehin nicht viele Happy Ends – und noch weniger glückliche Liebesgeschichten. Falls Sie keine deutsche Übersetzung von Asja finden und das russische Original zu einschüchternd wirkt, greifen Sie einfach zu „Erste Liebe“. Beim Lesen werden Sie wahrscheinlich noch mehr Taschentücher brauchen.
4. „Ein Adelsnest“ (auch „Das Adelsgut“): Die untergehende Welt des Adels wie in „Krieg und Frieden“ erleben
Der Adlige Lawrezkij hat lange in Paris gelebt. Doch nachdem seine Frau ihn betrogen hat, kehrt er auf das Familiengut irgendwo in Zentralrussland zurück. Dort verliebt er sich in die junge, prinzipientreue und tief religiöse Lisa. Doch kaum gesteht er ihr seine Gefühle, erfährt er, dass auch seine rechtmäßige – und für tot gehaltene – Ehefrau zurückgekehrt ist …
Dieser etwas melancholische Roman erzählt vom Niedergang der „Adelsnester“ und von der Verödung der Landgüter, die einst voller Leben waren. Musikalische Abende und Gespräche über Literatur und Politik gehören der Vergangenheit an, denn alle sind in die Städte oder ins Ausland gezogen.
Selbst die Menschen selbst, so bemerkt Turgenew nostalgisch, scheinen kleiner und blasser geworden zu sein.
5. „Am Vorabend“: Sich dazu inspirieren, alles aufzugeben und dem geliebten Menschen bis ans Ende der Welt zu folgen
Jelena ist keine gewöhnliche verwöhnte junge Dame. Sie möchte den Armen und Bedürftigen helfen, sich um Kranke kümmern und notleidende Tiere versorgen. Ihre starke Persönlichkeit geht mit einer ebenso starken und tiefen Fähigkeit zu lieben einher. Eines Tages begegnet sie einem Bulgaren, der davon besessen ist, sein Land von der Herrschaft der Türken zu befreien. Doch für seine Liebe kann er diese Ehrenschuld nicht aufgeben.
Nachdem Turgenew 1848 die Februarrevolution in Frankreich und ihre Pogrome und Leichenberge miterlebt hatte, schwand sein eigener revolutionärer Geist. Dennoch wollte er einen Helden darstellen, dessen Eifer und Leidenschaft für den Wandel alles andere überstrahlten.