Wie kam das Bolschoi-Theater (wörtlich „Großes Theater“) zu seinem Namen?

vladj55 / Getty Images
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Ja, es ist ein Theater. Ja, es ist ziemlich groß. Aber eigentlich ist es etwas komplizierter.

Es gibt nur wenige Orte in der russischen Hauptstadt, die so symbolträchtig, so imperial und so tief mit der Geschichte und dem Geist Moskaus verbunden sind wie das Bolschoi-Theater. Die Reihenfolge lautet: Kreml, Roter Platz und Bolschoi. Nichts anderes kommt dem gleich.

Das Bolschoi-Theater mit seinen bekannten Opern und Balletten ist Russlands Antwort auf die Mailänder Scala, das Royal Opera House Covent Garden und die Opéra Garnier. Daher ist es kaum verwunderlich, dass es im Russischen „das Große Theater“ genannt wird. Dennoch gibt es einige historische Besonderheiten bei dieser Namensgebung.

Ein Theater, das oft brannte

Gemeinfrei
Gemeinfrei

Wenn man sich das eindrucksvolle Gebäude des Bolschoi mit seinen Säulen und der ikonischen Quadriga auf dem Dach ansieht, könnte man meinen, es stamme direkt aus einer vergangenen, antiken Epoche – obwohl sich hinter dieser Fassade in Wirklichkeit eine bewegte Geschichte voller Zerstörung und Wiederaufbau verbirgt. Der Ort brannte viermal nieder!

Der erste Brand ereignete sich noch bevor das Theater überhaupt seine Tore öffnete, nur wenige Monate nachdem Kaiserin Katharina die Große 1776 Fürst Pjotr Urussow mit der Gründung des Theaters beauftragt hatte – dieses Jahr gilt als offizielles Gründungsdatum des Bolschoi. Später ging Urussow bankrott und musste das Theater an seinen Partner Michael Maddox weitergeben, der es wiederum an den Staat übertrug.

Damals trug es noch nicht den Namen Bolschoi, sondern hieß Petrowka-Theater (da es an der Petrowka-Straße stand) und wurde bis 1824 zusammen mit dem späteren Maly-Theater, wörtlich „Kleines Theater“, als Teil der kaiserlichen Hoftheater Moskaus geführt.

Ilja Pitalev / Sputnik
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Seit dem ersten Vorfall brannte das Bolschoi alle paar Jahrzehnte: 1805, 1812 (zusammen mit ganz Moskau) und 1856. Danach erhielt das Gebäude seine moderne Neugestaltung, und die Brände hörten auf.

Was den Namen betrifft, so wurde es nach seiner feierlichen Eröffnung im Jahr 1825 offiziell Bolschoi-Theater genannt, um es vom direkt nebenan gelegenen Maly-Theater im Zentrum Moskaus zu unterscheiden (das Maly ist tatsächlich deutlich kleiner und bringt Theaterstücke auf die Bühne, während sich das Bolschoi Opern und Ballette widmete). Seit 1919 benannten die Bolschewiki es in „Staatliches Akademisches Bolschoi-Theater" um – Wladimir Lenin erwog, es als Zitadelle der Kunst des alten Regimes ganz zu verbieten, änderte aber glücklicherweise seine Meinung.

Eine eigene Welt des Theaters

Sergei Pjatakow / Sputnik
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Das Bolschoi ist in Wirklichkeit sogar noch größer, als es auf den ersten Blick scheint. David Leigh, ein Opernsänger, der dort mehrmals aufgetreten ist, erklärt auf Quora: „Um das wirklich zu verstehen, müsste man hinter die Kulissen blicken. Das Theater verfügt über zwei öffentliche Säle, drei Restaurants, einen Innenhof mit Brunnen, mehrere hundert Coachingräume, vier Kostümwerkstätten, Dutzende riesige Proberäume, ein privates, überdachtes Theater mit exakt den gleichen Abmessungen wie die Hauptbühne, komplett mit Orchestergraben (das ist Wahnsinn…), und ein ganzes Krankenhaus für Tänzer und Musiker.“

Obwohl Leigh bereits Erfahrung mit Auftritten an der Met, dem Lincoln Center und anderen großen Opernhäusern der Welt hat, gibt er zu: „Kein Opernhaus der Welt hat mich jemals so winzig fühlen lassen wie das Bolschoi!"