Völker Russlands: Nenzen
Die Nenzen sind das zahlenmäßig größte indigene Volk des russischen Nordens. In Russland leben etwa 50.000 Nenzen, vorwiegend in der Tundra entlang der arktischen Küste. Daneben gibt es eine kleinere Gruppe, die sogenannten „Waldnenzen“.
Die nenzische Sprache gehört zum samojedischen Zweig der uralischen Sprachfamilie. Sie ist entfernt mit den finno-ugrischen Sprachen verwandt. Sie verfügt über Dutzende von Wörtern für Rentiere, die sich nach Alter, Geschlecht, Fellfarbe usw. richten. Verschiedene Feldblumen hingegen bezeichnen die Nenzen oft mit dem allgemeinen Wort: „ӈамдэ“ („Gras“).
Die Rentierzucht ist seit Jahrhunderten die Lebensgrundlage der Nenzen und hat sich bis heute nichts geändert. Für sie sind Rentiere buchstäblich alles: Transportmittel, Kleidung, Einkommens- und Nahrungsquelle. Eine einzelne Familie kann mehrere hundert Tiere halten, und der Gesamtbestand domestizierter Rentiere im Siedlungsgebiet der Nenzen übersteigt 600.000.
Die rauen Bedingungen des Hohen Nordens haben die Nenzen gelehrt, rohes Rentierfleisch zu essen. Sie tunken es in Blut, beißen hinein und schneiden das Fleisch mit einem Messer an den Zähnen ab. Leber, Nieren und Zunge des Tieres gelten als die schmackhaftesten Teile.