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5 Ängste der russischen Zaren

Kira Lissizkaja (Foto: Tretjakow-Galerie; OpenAI)
Trotz ihres Status als von Gott Gesalbte fürchteten die Zaren ganz alltägliche und irdische Dinge: Verschwörungen, Rebellionen und sogar Kakerlaken.

1. Angst vor Verschwörung und gewaltsamem Tod

Die Angst, den Thron – und damit das eigene Leben – zu verlieren, verfolgte fast jeden Herrscher, angefangen bei Iwan dem Schrecklichen. Der Zar, der seine Kindheit inmitten von Bojarenintrigen verbracht hatte, entwickelte sich gegen Ende seines Lebens zu einem regelrechten Paranoiker. Überall witterte er Verschwörungen und ging mit der Opritschnina, einer frühen Form einer Geheimpolizei, brutal gegen vermeintliche Feinde vor.

Im 18. Jahrhundert, während der Zeit der Palastputsche, verbreitete sich die Angst, nachts ermordet zu werden. Auch Kaiserin Elisabeth Petrowna, die selbst durch einen Staatsstreich auf den Thron gelangt war, fürchtete bis zu ihrem Tod, dass ihr dasselbe Schicksal widerfahren könnte. Ihr Neffe Peter III. lebte ebenfalls in ständiger Erwartung eines Umsturzes – und wurde schließlich tatsächlich gestürzt und ermordet, genau wie er es vorausgesehen hatte.

Fenster nach Russland (OpenAI)

Paul I. fürchtete Giftanschläge und Intrigen – und wurde schließlich genau durch jene Verschwörung getötet, vor der er sich so sehr gefürchtet hatte. Zar Alexander II., der als „Befreier“ in die Geschichte einging, weil er die Leibeigenschaft abschaffte, überlebte sieben (!) Attentatsversuche. Doch der letzte wurde ihm zum Verhängnis.

Sein Sohn Alexander III. erbte von seinem Vater die Angst, einem Attentat zum Opfer zu fallen.

2. Angst vor Volksaufständen und Revolution

Nach dem Dekabristenaufstand, der gleich am ersten Tag seiner Herrschaft ausbrach, fürchtete Nikolaus I. aufrichtig die „revolutionäre Ansteckung“ aus Europa. Selbst in liberalen Diskussionen witterte er Verschwörungen und setzte alles daran, Russland von äußeren Einflüssen abzuschotten.

Diese Angst übertrug sich auf seinen Enkel Alexander III. Nach dem Tod seines Vaters war er überzeugt, dass liberale Zugeständnisse letztlich zum Untergang der Dynastie führen würden. Er schlug daher einen Kurs der „Gegenreformen“ ein.

Fenster nach Russland (OpenAI)

Der letzte Kaiser, Nikolaus II., teilte diese Angst, zeigte sie jedoch auf andere Weise. Er fürchtete einen Konflikt mit der Gesellschaft, misstraute zugleich aber sowohl dem Parlament als auch seinen eigenen Ministern. Er zögerte, zu harten Maßnahmen zu greifen – und trug damit dazu bei, dass es schließlich zur Revolution kam.

3. Die Last von Schuld und Kindheitstraumata

Das wohl eindrücklichste Beispiel für eine schwierige Kindheit ist Paul I. Unmittelbar nach seiner Geburt wurde er der Obhut von Kindermädchen übergeben, die ihm mit Geschichten über Hausgeister und Gespenster Angst machten. So wuchs er zu einem ängstlichen und misstrauischen Menschen heran.

Sein Sohn Alexander I. trug hingegen die schwere Last der Ermordung seines Vaters. Ein tiefes Schuldgefühl begleitete ihn sein ganzes Leben. Er fürchtete nicht den Tod, sondern die Vergeltung – und wandte sich schließlich zunehmend der Mystik zu.

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Nikolaus II. wuchs im Schatten seines mächtigen Vaters Alexander III. auf und hatte schon seit seiner Kindheit Angst, dessen Erwartungen nicht gerecht zu werden. Er fühlte sich schwach und der Verantwortung für die Macht nicht gewachsen. Diese Unsicherheit führte zu Unentschlossenheit, die in entscheidenden Momenten in verhängnisvolle Untätigkeit mündete.

4. Irrationale Phobien

Diese ungewöhnlichen Ängste standen zwar nicht unmittelbar mit der Politik in Verbindung, beeinflussten aber den Alltag der Monarchen erheblich. Peter I., ein Riese und Reformer, hatte panische Angst vor Kakerlaken. Sobald er eine sah, soll er beinahe in Ohnmacht gefallen und aus dem Raum geflohen sein. Bis zu seinem 14. Lebensjahr fürchtete er sich außerdem vor Wasser – eine Angst, die er schließlich überwand und die ihn nicht davon abhielt, die russische Marine aufzubauen. Auch hohe Decken waren ihm unangenehm.

Fenster nach Russland (OpenAI)

Elisabeth Petrowna hingegen fürchtete die Dunkelheit und blieb deshalb nie allein in ihrem Schlafzimmer. Peter III. hatte Angst vor Kanonendonner, was für einen Militärmann absurd war.

Nikolaus I. hatte (einigen Berichten zufolge) Angst vor kaltem Essen und lauten Geräuschen.

5. Angst vor dem Übernatürlichen

Eine Gemeinsamkeit vieler russischer Zaren war ihr Glaube an Vorzeichen, Zauberei und Prophezeiungen. Iwan der Schreckliche war fest davon überzeugt, dass Zauberer versuchten, ihn zu verhexen. Alexei Michailowitsch, der zweite Zar aus der Romanow-Dynastie, fürchtete „böse Geister“ und befolgte zahlreiche Rituale, um sich vor ihnen zu schützen.

Fenster nach Russland (OpenAI)

Alexander I. war von Mystik fasziniert, nahm an spiritistischen Sitzungen teil und suchte in der Bibel nach schicksalhaften Prophezeiungen. Nikolaus II. war ein ausgesprochener Fatalist: Er glaubte an Vorzeichen – etwa an die Katastrophe auf dem Chodynka-Feld an seinem Krönungstag oder an einen fallenden Stern – und setzte großes Vertrauen in den „Starez“ (geistlicher Mentor und Ratgeber) Grigori Rasputin, den er als Gesandten Gottes betrachtete.