Wer in Russland wurde mit dem „Judasorden“ ausgezeichnet?

Fenster nach Russland (Foto: Fine Art Images / Heritage Images / Getty Images; gemeinfrei)
Fenster nach Russland (Foto: Fine Art Images / Heritage Images / Getty Images; gemeinfrei)
Peter I. gab 1709 den Auftrag, den Orden für eine ganz bestimmte Person anzufertigen. Doch diese Person konnte ihn nie zu Gesicht bekommen.

Die Auszeichnung, die nach dem Apostel benannt wurde, der Jesus Christus verriet, wurde im 18. Jahrhundert in Russland für Iwan Masepa, den Hetman (Anführer) der Saporoger Kosaken, geschaffen. So wurde eine von Kosaken bewohnte Region bezeichnet, die einst eine gewisse Autonomie innerhalb des Russischen Reiches genoss.

Masepa galt als loyaler und zuverlässiger Verbündeter Peters des Großen. Im Jahr 1700 verlieh der Zar ihm sogar den Orden des Heiligen Andreas des Erstberufenen, die damals höchste Auszeichnung Russlands. Doch Peters Politik der Zentralisierung der Macht ließ den Hetman bald eine Bedrohung für die Freiheit der Kosaken und für seine eigene Stellung sehen.

Während des Großen Nordischen Krieges gegen Schweden beschloss Masepa, die Seiten zu wechseln, und nahm ab 1707 geheime Verhandlungen mit König Karl XII. von Schweden auf. Er lud ihn und seine Armee in die Ukraine ein und versprach ihnen Verpflegung sowie die Unterstützung der Bevölkerung. Wie sich jedoch bald herausstellte, unterstützte nur ein kleiner Teil der Kosaken den Aufstand.

Der „Judasorden“, dessen Anfertigung Peter I. 1709 in Auftrag gab, sollte Masepas „Orden des Heiligen Andreas“ ersetzen. Dargestellt war Judas Iskariot, der an einer Espe hing, zu seinen Füßen lagen 30 Silberlinge. Die Inschrift auf der Rückseite lautete: „Verflucht sei Judas, der verderbliche Sohn, wenn er sich aus Liebe zum Geld erhängt hat.“

Masepa erhielt den Orden jedoch nie. Nach der Niederlage der Schweden in der Schlacht bei Poltawa am 8. Juli 1709 floh er in das Osmanische Reich, wo er am 2. Oktober desselben Jahres starb. Der bereits betagte Hetman war zu diesem Zeitpunkt 70 Jahre alt.

Anschließend verlieh Peter I. den Orden aus Spaß an Fürst Juri Schachowskoi, der dem Zaren als Hofnarr und Informant diente, zugleich aber für hohe Staatsämter zugelassen war. Dies geschah nicht ohne Grund: Während der politischen Krise zu Beginn des 17. Jahrhunderts hatten Schachowskois Vorfahren bereitwillig sowohl rechtmäßigen Zaren als auch Hochstaplern gedient.

Was anschließend mit dem Orden geschah, ist nicht bekannt.