Was geschieht auf diesem Gemälde von Adrian Wolkow?

Wenn die Figuren in Gemälden sprechen könnten, würde die Hauptfigur hier ausrufen: „Meine Liebe, es ist nicht so, wie du denkst!“
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Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass ihm dies geholfen hätte, da der Skandal von einer angesehenen Kaufmannsfamilie – und einem Priester – beobachtet wurde. Das Gemälde zeigt die Verlobung eines jungen Mannes und einer jungen Frau. Die Braut scheint aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie zu stammen, wie die Einrichtung und die Umgebung des Hauses belegen: die Gemälde an den Wänden, der luxuriöse Kristalllüster und der weiße Kachelofen. Ebenso wie das prächtige rosa Seidenkleid der Braut. Zeugen dieses freudigen Ereignisses sind die Eltern der jungen Frau, Hausangestellte und die geladenen Gäste. Auf dem Kissen links, vor den Ikonen, warten die Verlobungsringe auf ihren großen Moment, doch es scheint, als würden sie ungenutzt bleiben.

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Alles nur wegen einiger unerwarteter Gäste – eines älteren Mannes, eines Beamten niedrigen Ranges und seiner Tochter, die einen Säugling im Arm hält. Schüchtern verbirgt sie ihr Gesicht in der Hand, während ihr Vater zu den Anwesenden spricht. Alle sind schockiert, der Bräutigam wie gelähmt vor Schreck. Die Braut ist ohnmächtig geworden – ihre Verwandten eilen ihr zu Hilfe. Ihr Vater steht hinter ihr, und neben ihm breitet der Priester, nicht weniger überrascht als der Kaufmann, ungläubig die Arme aus.

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Es wird wohl weder eine Verlobung noch eine Hochzeit geben. Der gutaussehende Bräutigam hatte niemandem von der anderen Frau oder natürlich von dem Kind erzählt. Der Einzige, der nicht überrascht wirkt, ist der Handlungsgehilfe neben dem gerade eingetroffenen Beamten. Er ist sichtlich zufrieden mit dem Ergebnis.

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Adrian Wolkow, geboren in der Provinz Nischni Nowgorod, war der Sohn eines Leibeigenen. Mit 14 Jahren, nachdem er zusammen mit seinem Vater die Freiheit erlangt hatte, beschloss er, sich an der Kunstakademie einzuschreiben. Zunächst studierte er dort als Gasthörer im Fach Historienmalerei, wechselte dann aber zum Fach Volksmalerei. Seine Werke erweckten geschäftige Märkte mit ihrem lebhaften Handel, die Fröhlichkeit angetrunkener Bauern in einer Taverne und das Stimmengewirr in einer Cafeteria zum Leben. Auch in der „Unterbrochenen Verlobung“ ist die Stille, die im Raum herrscht, förmlich greifbar.

Staatliche Tretjakow-Galerie
Staatliche Tretjakow-Galerie

Für sein Gemälde „Unterbrochene Verlobung“ wurde Adrian Wolkow 1860 mit der Elisabeth-Vigée-Lebrun-Goldmedaille ausgezeichnet. Der französische Künstler, der sechs Jahre in Russland gelebt hatte, stiftete einen jährlichen Preis, der an einen herausragenden Studenten der Malereiklasse der Kaiserlichen Kunstakademie verliehen werden sollte.

1879 erwarb der Philanthrop Pawel Tretjakow Wolkows Gemälde von dessen Witwe. Es befindet sich seither in der Sammlung der Tretjakow-Galerie.