Wer war das reale Vorbild für Natascha Rostowa aus Leo Tolstois „Krieg und Frieden“?
Sonja ist Sofja Tolstaja, geborene Bers, die Ehefrau des Schriftstellers. Tanja ist ihre jüngere Schwester, die vor ihrer Heirat längere Zeit in Jasnaja Poljana lebte.
Tolstoi verteilte die Charaktereigenschaften der beiden Schwestern jedoch nicht gleichmäßig. Er orientierte sich beim Aussehen und der verspielten Art der jungen Natascha fast vollständig an Tatjana. „Krieg und Frieden“ enthält viele Szenen aus dem Alltag der Familie Bers, die Tolstoi beobachtete. Eine der eindrucksvollsten und lebendigsten ist die Szene von Mimis Hochzeit.
Mimi war von einer riesigen Puppe inspiriert, die Tatjana von ihrem Großvater geschenkt bekommen hatte. Der Roman enthält eine Szene, in der die 13-jährige Natascha auf einer Geburtstagsfeier ihrer Mutter lachend verkündet, dass sie ihren Freund mit einer Puppe „verheiraten“ und ihn bitten, „Mimi zu küssen“. Tolstoi übernahm diese spielerische „Hochzeitsszene“ fast wörtlich aus dem wahren Leben: Tatjana bat ihren Cousin, ihre Puppe zu küssen.
Es waren genau diese Kindheits- und Jugendfotos von Tatjana Bers, die Tolstoi dem Illustrator des Romans zeigte, als er eine Ähnlichkeit zwischen der Schwester seiner Frau und seiner Romanheldin verlangte.
Die Mutter Natascha, wie sie der Leser im Epilog des Romans kennenlernt, ist Sofja nachempfunden. Als „Krieg und Frieden“ sich dem Ende zuneigte, hatten die Tolstois bereits ihre älteren Kinder, und der Schriftsteller übertrug die alltägliche Fürsorge, Hingabe und Familienorientierung seiner Frau auf seine Romanheldin.