Warum griff Hitler die UdSSR am 22. Juni 1941 an?
Tatsächlich plante das Dritte Reich den Angriff auf die Sowjetunion deutlich früher. Gemäß dem Plan der „Operation Barbarossa“ sollten alle Vorbereitungen für den Feldzug bis zum 15. Mai 1941 abgeschlossen sein.
Für die Niederlage der Roten Armee und den Einmarsch in die strategisch wichtige Linie Archangelsk-Astrachan waren bis zu fünf Monate vorgesehen, bevor im Oktober die Tauwetterperiode einsetzte. Die Ereignisse auf dem Balkan durchkreuzten jedoch alle Pläne.
Am 25. März 1941 trat Jugoslawien dem von Deutschland geführten militärisch-politischen Block der Achsenmächte bei, was im Land zu großer Unzufriedenheit führte. In der Nacht zum 27. März kam es in Belgrad zu einem Staatsstreich: Prinzregent Paul wurde gestürzt und die deutschfreundliche Regierung verhaftet.
Die Deutschen reagierten umgehend. Am 6. April marschierte die Wehrmacht in Jugoslawien ein. Am 7. April überschritten italienische Truppen die jugoslawische Grenze, und am 11. April folgten ungarische Truppen.
Am 6. April begann der deutsche Einmarsch in Griechenland, wo die italienische Armee ständige Rückschläge erlitt. Beide Feldzüge waren für die Nazis erfolgreich: Am 17. April kapitulierte Jugoslawien, und Ende April waren die griechischen Truppen geschlagen und die britische Expeditionsstreitmacht eilig vom Peloponnes evakuiert worden.
Trotz der schnell erzielten Erfolge musste der Feldzug gegen die UdSSR verschoben werden. Es wurde Zeit benötigt, um ein Besatzungsregime auf dem Balkan zu errichten, und zahlreiche Einheiten mussten von der Halbinsel an die Grenze zur Sowjetunion verlegt werden.
Am 10. Juni 1941 erließ Walther von Brauchitsch, Oberbefehlshaber des deutschen Heeres, den Befehl, der ein neues Datum für den Angriff auf die Sowjetunion festlegte. Darin hieß es: „Es wird vorgeschlagen, den 22. Juni als Tag ‚D‘ der ‚Operation Barbarossa‘ zu betrachten.“