Wie der Spasski-Turm des Moskauer Kremls zu seinem Namen kam

Fenster nach Russland (Foto: Hans Neleman/Getty Images; Oleg Lastotschkin/Sputnik)
Fenster nach Russland (Foto: Hans Neleman/Getty Images; Oleg Lastotschkin/Sputnik)
Er gilt als der wichtigste der 20 Türme des Kremls. Durch ihn betreten ausländische Staatsoberhäupter, Botschafter sowie andere bedeutende Gäste den Kreml. Außerdem befindet sich dort Russlands wichtigste Uhr. Doch wussten Sie, dass der Turm nicht immer „Spasski“ (Erlöserturm) hieß?

Über 150 Jahre lang war der Turm als Frolowskaja-Turm bekannt – die Kirche der Heiligen Florus und Laurus stand in unmittelbarer Nähe. Doch alles änderte sich, als Zar Alexei Michailowitsch 1645 den Thron bestieg. Er erfuhr von den Wundern, die sich in der Stadt Chlynow ereignet hatten, und der dazugehörigen Ikone des „Spas Nerukotworny“ (Das nicht von Menschenhand geschaffene Bild Christi). Man glaubte, sie könne Kranke heilen und Blinden das Augenlicht wiedergeben. Pestepidemien waren damals weit verbreitet, doch Chlynow blieb auf wundersame Weise verschont.

Hauptarchiv von Moskau/Mos.ru (CC BY 4.0)
Hauptarchiv von Moskau/Mos.ru (CC BY 4.0)

Auf Befehl von Alexei Michailowitsch wurde die Ikone 1647 in die Hauptstadt überführt. Das nicht von Menschenhand geschaffene Bild Christi fand seinen Platz in der Mariä-Entschlafens-Kathedrale des Kremls und später im eigens für sie errichteten Nowospasski-Kloster. Eine Kopie wurde auf dem Frolowskaja-Turm angebracht, der daraufhin aufgrund der Ikone in Spasski-Turm (Erlöserturm) umbenannt wurde. Fortan durfte man ihn nur mit unbedecktem Kopf und zu Fuß passieren.

Oleg Lastotschkin / Sputnik
Oleg Lastotschkin / Sputnik

Die wundertätige Ikone soll Moskauer schon oft gerettet haben. 1834, während eines Brandes, wurde sie aus dem Kloster getragen, um die Flammen zu löschen. Und 1848, während einer Choleraepidemie, heilte sie Kranke. Aus Dankbarkeit für diese wundersame Rettung wurde die Ikone mit einer Riza aus vergoldetem Silber und Edelsteinen verziert.

Moskauer Kremlmuseen
Moskauer Kremlmuseen

Nach der Oktoberrevolution von 1917 verschwand das nicht von Menschenhand geschaffene Bild Christi ebenso wie die Torikone am Spasski-Turm. Eine Kopie davon ist jedoch im Nowospasski-Kloster erhalten geblieben.