5 Fragen zur Taufe des Herrn

Walentina Pewzowa/TASS Ein Mann beim Taufbad im Brunnen der Sokolowskij-Quelle, einer heiligen Quelle des Heiligen Nikolaus des Wundertäters, Region Wologda
Walentina Pewzowa/TASS
Warum wird das Epiphanias (Taufe des Herrn) im Winter und nicht im Sommer gefeiert? Und wiederholen wir die Taufe Jesu, indem wir in einem Eisloch baden? Die Antwort auf diese Fragen sind nicht so einfach, wie sie scheinen.

1. Wie wurde das Datum von Epiphanias ermittelt?

Im orthodoxen Christentum ist die Taufe Jesu ein Fest, das zur Erinnerung an die Evangelienerzählung von der Taufe Jesu Christi im Jordan durch Johannes den Täufer gefeiert wird. In der orthodoxen Kirche wird dieses Fest am 6. Januar (nach dem Julianischen Kalender; entspricht dem 19. Januar im Gregorianischen Kalender) begangen. Doch warum wurde gerade dieses Datum gewählt?

Die Russische Orthodoxe Enzyklopädie nennt zwei Haupttheorien:

Nach der ersten Theorie waren die Feste Weihnachten und Epiphanie ursprünglich ein einziges gemeinsames Fest, das den Platz eines älteren heidnischen Sonnenwendfestes einnahm. Dieses wurde auf den 25. Dezember (nach dem alten beweglichen Kalender bzw. 6. Januar im Julianischen Kalender) gelegt, was heute dem 19. Januar im Gregorianischen Kalender entspricht.

Die zweite Theorie besagt, dass das Datum auf komplexen chronologischen Berechnungen basiert. Es soll in Verbindung mit dem Tod Jesu sowie mit dem jüdischen Passahfest stehen.

In der katholischen Kirche wird dieses Fest als Epiphanie bezeichnet und erinnert sowohl an den Besuch der Weisen aus dem Morgenland als auch an die Taufe Jesu.

2. Warum wurde Jesus getauft, wo er doch bereits ohne Sünde war?

Kunsthistorisches Museum, Wien Die Taufe Christi. um 1515, Joachim Patinir
Kunsthistorisches Museum, Wien

Laut dem Evangelium kam Jesus zu Johannes, der am Jordan Menschen taufte. Johannes war darüber erstaunt und sagte: „Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?“ Darauf antwortete Jesus, dass es notwendig sei, „alle Gerechtigkeit zu erfüllen“. Danach ließ er sich von Johannes taufen.

Während der Taufe kam, so die biblische Überlieferung, der Heilige Geist in Gestalt einer Taube vom Himmel herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: „Du bist mein geliebter Sohn; an dir habe ich Wohlgefallen gefunden!“

Auf diese Weise gab Jesus seinen Nachfolgern ein Vorbild. Wie der Theologe Alexander Moiseenko schreibt, wird „derselbe Ritus vollzogen, um die Verbindung zwischen ihm und den Gläubigen zu betonen“ – jeder, der die Taufe empfängt, tritt dadurch in eine Beziehung zu Gott.

3. Was ist Weihwasser?

Alexander Krjaschew/Sputnik Ritus der Wasserweihe in der Stadt Berdsk, Region Nowosibirsk
Alexander Krjaschew/Sputnik

Die Taufe ist im Christentum nicht nur ein Fest, sondern ein eigenes Sakrament, das mit der Taufe des Täuflings in Christus verbunden ist. Während des Sakraments verwendet der Priester Weihwasser – er taucht die zu taufende Person dreimal darin ein (in der Regel, wenn es sich um einen Säugling handelt) oder besprengt (übergießt) sie mit Weihwasser, wenn es sich um einen Erwachsenen handelt.

Weihwasser (griechisch: Αγίασμα) ist Wasser, das durch ein besonderes Gebet und den Ritus (die Ordnung) der Weihe geheiligt wird. Diese Tradition ist im Christentum seit dem 3. Jahrhundert bekannt. Johannes Chrysostomus erklärte in seiner Predigt im Jahre 387: „Um Mitternacht an diesem Fest nimmt jeder, der Wasser geschöpft hat, es mit nach Hause und bewahrt es ein ganzes Jahr lang auf.... Die Qualität dieses Wassers verschlechtert sich nicht im Laufe der Zeit; im Gegenteil, das heute geschöpfte Wasser bleibt ein ganzes Jahr lang unverdorben und frisch, oft sogar zwei oder drei Jahre lang.“

Es gibt große (an Epiphanias) und kleine Wasserweihen (an verschiedenen Tagen des Jahres in den Kirchen, bei Wasserweihungsgebeten). An Epiphanias wird das Wasser mit einer feierlichen Prozession zu dem entsprechenden Gewässer, die als Gang zum Jordan bekannt ist, geheiligt. Das Wasser wird an zwei Tagen geweiht: am Vorabend, dem 18. Januar, und an Epiphanias selbst. Wasser, das nach der großen Ordnung der großen Weihe geheiligt wurde, darf nur auf nüchternen Magen und nach einem besonderen Gebet getrunken werden.

4. Bedeutet das Baden in einem Eisloch, dem Beispiel Jesu zu folgen?

Alexander Demjantschuk/TASS Ein Mann badet in einem Eisloch in der Newa in St. Petersburg, Russland.
Alexander Demjantschuk/TASS

Christliche Theologen sind sich einig: Taufbäder sind keine christliche Tradition. Sie waschen nicht die Sünden weg, wie die Menschen gemeinhin glauben. Schon 1892 bemerkte der russische geistliche Schriftsteller Sergej Bulgakow: „Besonders diejenigen, die sich zu den Zwölf Weihnachtstagen verkleiden, wahrsagen und so weiter, schreiben diesem Bad abergläubisch eine reinigende Kraft von diesen Sünden zu.“

Übrigens wurde früher in St. Petersburg bei der Wassersegnung in der Nähe des Winterpalastes, an der auch die Zarenfamilie teilnahm, das geweihte Wasser direkt aus der Newa getrunken, aber niemand badete.

Moderne Historiker glauben, dass diese Bäder wahrscheinlich ein Erbe eines älteren, heidnischen Wasserfestes im Zusammenhang mit der Wintersonnenwende sind.

5. Welche Bedeutung hatte Epiphanias in den russischen Dörfern?

Alexej Danitschew/Sputnik Eine Prozession während des Festes der Taufe Jesu im Dorf Orlino, Leningrader Gebiet
Alexej Danitschew/Sputnik

Im russischen Dorf war Epiphanias mit vielen mächtigen, wahrscheinlich vorchristlichen Traditionen verbunden. Der volkstümliche Name für das Fest ist Wodokreschtschi“ und geweihtes Wasser spielt dabei eine zentrale Rolle. Es wurde auf das Haus, die Menschen, den Hof, das Vieh, die Bienenstöcke und die Gemüsebeete gesprenkelt, in den Brunnen gegossen, dem Viehfutter beigefügt und in Weinfässer gefüllt.

Für die Bauern war das Baden im Eisloch obligatorisch, das Eisloch selbst und alles drumherum galt als heilig – zum Beispiel durfte man innerhalb von zwölf Tagen nach der Wasserweihe im Eisloch keine Wäsche waschen. Man glaubte, dass die Kranken von ihren Leiden geheilt und die Gesunden von Sünden gereinigt werden würden. Das (geweihte) Wasser wurde auch mit Beschwörungen gegen Brände in Verbindung gebracht, die üblicherweise an Epiphanias vorgetragen wurden: „Die Heiligen sind mir gefolgt und haben eine Schale mit Wasser getragen. Wenn es ein Feuer gibt, werden die Heiligen das Feuer löschen.“

An Epiphanias wurden im Haus Reinigungsrituale durchgeführt, bei denen die Dämonen durch das Geräusch von Geschirr, das Knallen von Peitschen und einfach durch lautes Rufen ausgetrieben wurden. Gleichzeitig leitete Epiphanias die sogenannten Hochzeitswochen für das winterliche Fleischessen (die Zeit zwischen den Fasten) ein, das bis zu Aschermittwoch andauerte.