Was ist auf diesem Gemälde von Ilja Repin zu sehen?
1876 kehrte Ilja Repin von einer sechsjährigen Studienreise durch Europa zurück. Er verbrachte ein ganzes Jahr in Paris. Dort lernte er die Familie des bekannten Unternehmers und Philanthropen Sawwa Mamontow kennen, der ihn einlud, auf seinem Gut in Abramzewo bei Moskau zu wohnen. Repin interessierte sich zu dieser Zeit sehr für das Leben der Bauern und suchte nach geeigneten Themen für seine Werke. Er ließ sich von seinen Beobachtungen der Dorfbewohner und den Ereignissen des Russisch-Türkischen Krieges von 1877/78 inspirieren.
Im Mittelpunkt des Gemäldes „Abschied des Rekruten“ steht der Abschied des jungen Mannes von seiner Familie. Verwandte und Nachbarn haben sich versammelt, um ihn zu verabschieden. Seine Mutter umarmt ihren Sohn ein letztes Mal, neben ihr steht seine jüngere Schwester in einem rosa Sarafan, einem traditionellen Sommerkleid. Sein Vater steht etwas abseits – schließlich wird er nun mehr Arbeit übernehmen müssen. Denn sein Sohn verlässt die Familie für lange Zeit: Damals dauerte der Militärdienst sieben Jahre. Offenbar wird der junge Mann das Dorf in einem von einem weißen Pferd gezogenen Wagen verlassen, den ein älterer Mann im Kaftan hält. Seine Familie hat dafür gesorgt, dass er alles Nötige für die Reise dabeihat: Ein Sack im Wagen ist prall gefüllt, und eine der Frauen überprüft noch einmal seinen Inhalt. Die Kinder beobachten den jungen Mann neugierig. Besonders der blonde Junge scheint nicht abgeneigt zu sein, ihn gleich zu begleiten.
Der Künstler arbeitete von 1877 bis 1879 in Moskau und Abramzewo an dem Gemälde „Abschied des Rekruten“. Repin fertigte zahlreiche Vorstudien an, darunter auch ein Gemälde eines Bauernhofs nach der Natur. Sawwa Mamontows Sohn Wsewolod berichtete später in seinen Memoiren, dass die Familie beim Anblick des Gemäldes den Hof des Bauern Matwei Rachmanowski wiedererkannte, der sich unweit von Abramzewo befand.
Repin sprach nur selten über seine Arbeit an dem Gemälde. Der Grund dafür: Noch bevor das Bild fertiggestellt war, hatte sich bereits ein Käufer gefunden. Der Präsident der Kaiserlichen Akademie der Künste, Großfürst Wladimir Alexandrowitsch, besuchte Repin in seinem Moskauer Atelier.
Dort sah er die Skizzen und das noch unvollendete Gemälde. Anschließend schickte er ein Telegramm, in dem er mitteilte, dass er das Bild für sich reservieren ließ. Der Großfürst erlaubte Repin, das Gemälde auf der Moskauer Ausstellung der Peredwischniki im Frühjahr 1880 zu zeigen. Anschließend wurde es im Billardzimmer seines Petersburger Palastes aufgehängt – gegenüber einem weiteren berühmten Werk Repins, den „Wolgatreidlern“.
Bis zur Bolschewistischen Revolution von 1917 wurde das Gemälde auf internationalen und russischen Ausstellungen gezeigt. Später gelangte es in das Russische Museum, wo es sich bis heute befindet.