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10 sehenswerte Gemälde von Wassili Polenow

Die Werke dieses Meisters der Landschaftsmalerei und biblischen Motive sollen die Seele in einen Zustand vollkommener Harmonie versetzen. Wer sind wir, dem zu widersprechen?

1. „Der Moskauer Hinterhof“, 1878

Tretjakow-Galerie

„Der Moskauer Hinterhof“, wahrscheinlich Polenows berühmtestes Werk, entstand direkt vor Ort in einer Gasse nahe der Arbat-Straße – an einem Ort, der heute kaum wiederzuerkennen ist. Polenow stammte aus dem prachtvollen Sankt Petersburg und dürfte solche idyllischen, beinahe dörflichen Szenen in der damaligen Hauptstadt nicht allzu häufig erlebt haben. Das Gemälde entstand ein Jahr nachdem der Künstler im Alter von 33 Jahren nach Moskau gezogen war. Das Werk wurde auf einer Ausstellung der Peredwischniki, einer Gruppe russischer realistischer Künstler, begeistert aufgenommen. Die Künstler wandten sich bewusst vom Akademismus und von idealisierten Atelierbildern ab und suchten ihre Inspiration stattdessen im Alltag und im Leben der einfachen Menschen.

2. „Die Auferweckung der Tochter des Jairus“, 1871

Russisches Museum

Wir sind in Polenows Biografie etwas vorausgeeilt – also gehen wir noch einmal ein Stück zurück. Wassili Polenow wurde 1844 geboren, im selben Jahr wie der berühmte Ilja Repin, der Schöpfer des bekannten Gemäldes „Die Wolgatreidler“. Übrigens studierten die beiden gemeinsam an der Kaiserlichen Akademie der Künste und wählten für ihre Abschlussarbeit dasselbe Thema: „Die Auferweckung der Tochter des Jairus“. Beide erhielten die höchste Bewertung und eine Goldmedaille. Doch welches der beiden Gemälde gefällt Ihnen besser?

3. „Verhaftung der Hugenottin Jacqueline de Montbel d’Entremont“, 1875

Tretjakow-Galerie

Nach seinem Abschluss an der Akademie der Künste erhielt Polenow – wie auch Repin – ein besonderes Stipendium für eine Reise nach Europa. Er reiste nach Österreich, Deutschland, Italien und Frankreich. Dort ließ er sich von Landschaften und Bauwerken inspirieren und malte unter anderem Venedig sowie die Badeorte der Normandie. Doch in Paris entstand dieses historische Gemälde, für das Polenow zum Akademiemitglied ernannt wurde.

4. „Großmutters Garten“, 1878

Tretjakow-Galerie

Wie bereits erwähnt, ließ sich der Künstler im Alter von 33 Jahren in Moskau nieder. Dort begann er, sogenannte „Stimmungslandschaften“ der Stadt zu malen. Übrigens zeigt dieses Werk denselben Ort wie „Der Moskauer Hinterhof“, allerdings von der anderen Seite. Solche Häuser prägten das Moskauer Stadtbild vor allem nach dem großen Brand von 1812 während des Krieges gegen das napoleonische Frankreich.

5. „Der überwucherte Teich“, 1879

Tretjakow-Galerie

„Der überwucherte Teich“ ist ein weiteres der bekanntesten Gemälde des Künstlers. Es wurde gemeinsam mit „Großmutters Garten“ auf einer Ausstellung der Peredwischniki gezeigt. Polenow fertigte mehrere Skizzen für das Werk an, und Teiche und Boote wurden später zu wiederkehrenden Motiven in seinem Schaffen. Deutlich ist der Einfluss der französischen Impressionisten zu erkennen. Polenow übertrug deren Malweise jedoch auf beeindruckende Weise in eine typisch russische Landschaft und setzte dabei das Licht besonders wirkungsvoll ein.

6. „Unterhaltung für den Kaiser“, 1879

Tretjakow-Galerie

Neben Landschaften widmete sich Polenow auch historischen Themen. Die Inspiration für dieses Gemälde stammt aus seiner Zeit in Italien. Es zeigt den Moment unmittelbar vor der Tötung eines verängstigten jungen Mädchens: Ein wildes Tier wurde aus einem Käfig gelassen und scheint sich darauf vorzubereiten, sich auf sie zu stürzen. Auf dem Boden liegt ein Schädel, möglicherweise der eines anderen Sklaven. Von oben beobachtet der zufriedene Kaiser die grausige Szene.

7. „Christus und die Sünderin (Wer ohne Sünde ist?)“, 1888

Russisches Museum

Diese 3,25 × 6,11 Meter (!) große Leinwand gilt als Polenows Meisterwerk. Das biblische Motiv hatte der Künstler bereits seit vielen Jahren im Kopf. Um die Umgebung Christi und die Gesichter der „Menschenmenge“ möglichst authentisch darzustellen, verbrachte Polenow zwei Jahre in Palästina, Syrien, Ägypten und anderen Regionen des Nahen Ostens. Dabei fertigte er Dutzende Skizzen von Gesichtern, Landschaften, Kostümen und Bauwerken an.

Fragment des Gemäldes
Russisches Museum

Polenows zentrales Anliegen war es, Christus als einen ganz gewöhnlichen Menschen darzustellen – am Beginn seines Weges, der ihn schließlich zum Messias machen sollte.

8. „Der goldene Herbst“, 1893

Museumsgut Polenowo

„Christus und die Sünderin“ wurde von Kaiser Alexander III. gekauft. Mit dem Erlös ließ sich der Künstler ein Haus am malerischen Ufer der Oka bauen. Heute befindet sich dort das Museumsgut Polenowo, in dem eine originalgetreue Kopie des Gemäldes zu sehen ist. Das Original befindet sich im Russischen Museum in Sankt Petersburg. Auf seinem Gut Polenowo schuf der Künstler zahlreiche Landschaftsbilder, darunter auch „Der goldene Herbst“.

9. „Träume (Auf einem Hügel)“, 1900

Russisches Museum

1899 reiste Polenow erneut in den Nahen Osten. Während und nach dieser Reise entstand seine für den Künstler besonders bedeutende Gemäldeserie „Aus dem Leben Christi“. Über seine bevorstehende Arbeit schrieb Polenow: „Die Aufgabe, die vor mir liegt, ist überwältigend, aber ich kann sie nicht ablehnen – ich bin zu sehr von der Größe dieses Menschen und der Schönheit der Geschichte über ihn fasziniert.“ Dabei ist Christus bei Polenow stets ein ganz gewöhnlicher Mensch, mit Träumen und Schwächen wie jeder andere.

10. „Hellas“, 1890er-Jahre

Privatsammlung

Polenow begeisterte sich für das Theater und inszenierte auf seinem Gut eigene Aufführungen. Er entwarf die Bühnenbilder selbst und lud Kinder aus der ganzen Umgebung zur Teilnahme ein, während seine Frau die Kostüme von Hand nähte. Selbst das Wohnzimmer der Polenows war so eingerichtet, dass die „Schauspieler“ durch eine geheime Tür auftreten konnten – wie hinter einem Vorhang. 1906 wurde in Moskau die Oper „Geister von Hellas“ uraufgeführt. Polenow komponierte dafür die Musik und entwarf auch die Kostüme und das Bühnenbild vollständig selbst (siehe die Skizze auf dem Bild).

Nach der Revolution von 1917 lebte der Künstler überwiegend auf seinem Gut an der Oka. Trotz der zahlreichen religiösen Motive in seinem Werk begegneten die Bolschewiki ihm mit großer Wertschätzung. 1926 wurde ihm sogar der Titel „Volkskünstler der RSFSR“ verliehen. Ein Jahr später starb Polenow friedlich auf seinem Gut Polenowo.