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Wie Michail Bulgakow Datscha-Gäste schockierte

Reproduktion einer Illustration des Leningrader Künstlers Andrei Charschak zu Michail Bulgakows Roman „Der Meister und Margarita“. Bulgakow im Jahr 1928
Fenster nach Russland (Foto: Rudolf Kutscherow/Sputnik, gemeinfrei, Polozovskyy)
Der Autor von „Der Meister und Margarita“ war ein Meister der Verwandlung. Bulgakow konnte jede Figur in seinen Werken so überzeugend darstellen, als kenne er sie sein ganzes Leben lang.

Und dieses „Talent“ von ihm zeigte sich in den unerwartetsten Momenten.

Als er beispielsweise auf der Datscha (Sommerhaus) des Schriftstellers Konstantin Paustowski zu Gast war, gab er sich als deutscher Kriegsgefangener aus, der nach dem Krieg in Russland gestrandet war. So konnten die Anwesenden Bulgakows Gabe selbst erleben. „Am Tisch saß ein blonder Deutscher mit stumpfen, leeren Augen, der dämlich kicherte. Sogar seine Hände waren schweißnass. Alle sprachen Russisch, und er verstand natürlich kein Wort. Aber er wollte sich offensichtlich gern an der lebhaften Unterhaltung beteiligen, runzelte die Stirn und murmelte, während er sich bemühte, sich an das einzige russische Wort zu erinnern, das er kannte. Schließlich hatte er eine Erleuchtung… Bulgakow stach mit der Gabel in den Schinken, rief begeistert: ‚Swinja! Swinja!‘ („Schwein! Schwein!“) und brach in schrilles, triumphierendes Gelächter aus.“

Von den Anwesenden kannte nur Paustowski Bulgakow gut; die anderen waren sich sicher, dass sie es mit einem Deutschen zu tun hatten. Man stelle sich ihre Überraschung vor, als dieser „Deutsche“ ein paar Stunden später, seiner Rolle überdrüssig, plötzlich anfing, Puschkins „Eugen Onegin“ zu rezitieren.