5 Hauptwerke von Michail Bulgakow
1. „Der Meister und Margarita“ (1928 – 1940) (russ. „Мастер и Маргарита“)
Der Roman, das Hauptwerk des Schriftstellers und einer der populärsten russischen Texte des 20. Jahrhunderts, vereint Mystik, philosophische Parabel, politische Satire und eine Liebesgeschichte.
Der geheimnisvolle Fremde Woland (in Wahrheit Satan) trifft in den 1930er Jahren mit seinem Gefolge im stalinistischen Moskau ein, um einen alljährlichen Ball auszurichten. Parallel dazu entfaltet sich die tragische Liebesgeschichte zwischen einem in Ungnade gefallenen Schriftsteller (dem Meister) und Margarita, die mit einem berühmten Ingenieur verheiratet ist. Der Meister verfasst einen Roman über Pontius Pilatus und Jesus Christus, der ihn in den Wahnsinn treibt. Um den Meister zu retten, willigt Margarita ein, die Ballkönigin von Woland zu werden. Unterdessen werden die eigenen Erlebnisse des Meisters im antiken Jerusalem in die Erzählung eingewoben und interpretieren die biblische Geschichte als philosophisches Drama über Feigheit und die Unmöglichkeit, sich der Verantwortung zu entziehen.
2. „Hundherz“ (1925) (russ. „Cобачье сердце“)
In den 1920er Jahren transplantiert der brillante Chirurg Professor Preobraschenski aus wissenschaftlicher Neugier die Hirnanhangdrüse des toten Trunkenboldes und Lumpenproletariers Klim Tschugunkin in den streunenden Hund Scharik. Das gutmütige und dankbare Tier entwickelt sich rasch zu einer abscheulichen menschenähnlichen Kreatur, Polygraph Scharikow – der Verkörperung von Unverschämtheit, Ignoranz und aggressiver Vulgarität. Scharikow übernimmt umgehend die Rhetorik der Bolschewiki und beginnt, das Leben des Professors zu zerstören.
Bulgakow schrieb eine satirische Novelle, die auf einer Metapher für die Revolution basiert. Der Versuch, künstlich einen „neuen Menschen“ aus einem Hund zu erschaffen, führt nicht zu Evolution, sondern zur Entstehung eines Monsters. Die zentrale Botschaft der Novelle lautet, dass man die Natur, sei es die menschliche oder die gesellschaftliche, nicht ungestraft verletzen kann.
3. „Die weiße Garde“ (1923–24) (russ. „Белая гвардия“)
Das weitgehend autobiografische Werk beschreibt die Tragödie der Familie Turbin und den Zusammenbruch der alten Welt im Strudel des Kiewer Bürgerkriegs von 1918–1919.
Die Machtverhältnisse wechseln alle paar Wochen, und Petljuras Truppen rücken von den Außenbezirken der Stadt vor. Im Zentrum dieses Sturms stehen die Familie Turbin, russische Intellektuelle und Offiziere der Weißen Armee, die mit letzter Kraft um den Erhalt der Würde und der Geborgenheit ihrer Häuser kämpfen. Es ist die Chronik von Menschen, deren Ideale im blutigen Chaos zwischen Kanonendonner und dem Duft von Weihnachtsbäumen zerschmettert werden.
Die Geschichte ist wertvoll wegen ihrer psychologischen Einsicht und ihrer für die damalige Zeit ungewöhnlichen Interpretation: Die Gegner der Bolschewiki werden als lebendige, mitfühlende Menschen dargestellt, nicht als ideologische Karikaturen.
4. „Aufzeichnungen eines jungen Arztes“ (1925–26) (russ. „Записки юного врача“)
Ein frischgebackener Arzt kommt in ein abgelegenes russisches Dorf und findet sich dort als einziger Arzt weit und breit wieder. Der junge Absolvent ist gezwungen, komplizierte Operationen durchzuführen, Geburten zu begleiten und Krankheiten sowie die Unwissenheit der Bauernschaft ganz allein zu bekämpfen – ohne die Hilfe von Kollegen oder moderner Ausrüstung.
Jede Geschichte dieser Sammlung ist ein Drama über Leben und Tod, Zweifel und Triumphe, erzählt mit einem unverwechselbaren medizinischen Humor. Die Reihe ist autobiografisch und basiert auf Bulgakows eigenen Erfahrungen als Arzt.
5. „Aufzeichnungen eines Toten“ oder „Theaterroman“ (1936) (russ. „Записки покойника“ (Театральный роман))
Eine Satire auf das Leben hinter den Kulissen und die Bürokratie des sowjetischen Theaters, insbesondere auf die Sitten des Moskauer Künstlertheaters.
Der Journalist Maksudow erhält unerwartet eine Einladung an das legendäre Unabhängige Theater (gemeint ist das Moskauer Künstlertheater), wo er auf den bissigen Verwalter Bombardow und den unterwürfigen Kritiker Likospastow trifft. Im Büro des Direktors Iwan Wassiljewitsch (eine Parodie auf Stanislawski) liest Maksudow seinen Roman. Der alte Mann ist begeistert und verlangt, dass er sofort für die Bühne adaptiert wird. Von diesem Moment an beginnt für den Autor ein Kampf hinter den Kulissen. Nach all den Demütigungen und den ständigen Aufforderungen, alles bis zur Unkenntlichkeit zu überarbeiten, erkennt Maksudow schließlich, dass sein Plan gescheitert ist, und ein mysteriöser Mann nimmt das Manuskript an sich. Daraufhin stürzt sich der Autor von der Kettenbrücke in den Dnepr.
Der Roman schildert den Konflikt zwischen dem kreativen Individuum und dem System sowie die Notwendigkeit, Kompromisse einzugehen. Bulgakow selbst befand sich mehr als einmal in dieser Lage.