Wer sind „die zwei aus der Truhe“?

Kira Lissizkaja (Foto: Alexander Poljakow / Sputnik; magnific.com; Dmitri Iwanow, Russian Post)
Kira Lissizkaja (Foto: Alexander Poljakow / Sputnik; magnific.com; Dmitri Iwanow, Russian Post)
Wie ein sowjetischer Zeichentrickfilm ein russisches Volksmärchen neu schrieb.

Jeder moderne Russe kennt dieses Paar von Folklorefiguren, die als „Die zwei aus der Truhe, völlig gleich im Gesicht“ bekannt sind. Auf den Befehl ihres Besitzers springen sie aus einer bunt bemalten Truhe und sind jederzeit bereit, ihm zu Diensten zu sein. Doch dabei bringen sie grundsätzlich alles durcheinander. Bittet man sie, Teig zu kneten und Holz zu hacken, hacken sie mit der Axt den Teig und kneten die Birkenholzscheite.

Große Bekanntheit erlangten diese Figuren durch den sowjetischen Zeichentrickfilm „Wowka im Königreich Weit Weit Weg“ („Вовка в Тридевятом царстве“) des Regisseurs Boris Stepan­zew nach einem Drehbuch von Wadim Korostyljow. Der Film erschien 1965. Doch nur wenige wissen, dass das Zeichentrickduo seinen folkloristischen Vorbildern kaum ähnelt. Im ursprünglichen russischen Volksmärchen handelt es sich nämlich erstens nicht um eine Truhe, sondern um einen Beutel, und zweitens gibt es nicht zwei, sondern vier Helfer. Ein Paar kümmert sich um praktische und häusliche Angelegenheiten, das andere um moralische und ethische Fragen.

In der Sammlung des russischen Folkloristen Alexander Afanassjew findet sich das Märchen „Zwei aus der Tasche“. Sein Hauptheld ist ein armer alter Mann, der ständig unter den Schlägen seiner streitsüchtigen Frau leidet. Eines Tages fängt er einen magischen Kranich. Zum Dank schenkt dieser ihm einen Beutel.

Sobald der Alte sagt: „Zwei aus der Tasche!“, erscheinen zwei junge Männer, die ihm eine prächtige Tafel decken. Doch der Alte kann sich nicht zurückhalten und macht auf dem Heimweg bei seiner Patin Halt, um mit seinem wundersamen Geschenk zu prahlen. Diese stiehlt ihm daraufhin den Beutel.

Der Kranich gibt dem Alten einen zweiten Beutel. Doch diesmal kommen daraus zwei junge Männer mit großen Knüppeln hervor. Sie beginnen, den Alten für seine Prahlerei zu verprügeln. Am Ende benutzt er diesen „zornigen“ Beutel, um seine listige Patin zu bestrafen, und holt sich seinen „guten“ Beutel zurück.

Der Alte kehrt schließlich mit beiden Beuteln nach Hause zurück. Die guten Helfer setzt er ein, um seinen Haushalt wieder in Ordnung zu bringen, während die Helfer mit den Knüppeln dazu dienen, den aufbrausenden Charakter seiner Frau im Zaum zu halten.

Am Ende des Märchens heißt es, dass „der Alte und die Alte von da an so gut und so friedlich miteinander lebten, dass der Alte überall mit ihr prahlte.“