5 Fakten über den Schuchow-Radioturm, Russlands ersten Fernsehturm (FOTOS)
1. Konzipiert auf Anordnung von Wladimir Lenin
Im Sommer 1919 unterzeichnete der Anführer der Weltrevolution ein Dekret, das den Auftrag erteilte, in Moskau „in äußerst dringlicher Weise eine Radiostation zu errichten, ausgestattet mit den modernsten Apparaten und Maschinen“. Die Notwendigkeit war in der Tat groß: Der einzige existierende Radiosender, „Chodynskaja“, war mit der Informationsflut völlig überfordert.
Mit dem Projekt wurde der berühmte Ingenieur Wladimir Schuchow, der Schöpfer der Hyperboloidkonstruktionen, betraut. Nach dem ursprünglichen Entwurf sollte der Turm 350 Meter hoch werden – 15 Meter höher als der Eiffelturm. Wäre er nach diesem Entwurf gebaut worden, wäre er das höchste Bauwerk der Welt geworden. Doch der Bürgerkrieg tobte, und überall herrschte Mangel – an Werkzeugen, Arbeitskräften und Baumaterialien. Zwar wurde Metall aus den Militärreserven bereitgestellt, doch es reichte nur für eine Höhe von 148,5 Metern. Der endgültige Entwurf wurde persönlich von Lenin genehmigt.
2. Einzigartiges Design
Wladimir Schuchow entwickelte die ersten Hyperboloidkonstruktionen bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Auf der „Allrussischen Industrie- und Handwerksausstellung“ von 1896 errichtete er acht Pavillons mit Gittergewölben und einen Hyperboloidturm. Er gilt als Prototyp des Schuchow-Turms. Bemerkenswert ist jedoch, dass keines seiner Projekte eine frühere Konstruktion wiederholte – sie alle unterschieden sich in irgendeiner Weise voneinander.
Der Schuchow-Turm besteht aus einer hyperbolischen Gitterkonstruktion aus Stahlelementen und ist aus sechs Abschnitten zusammengesetzt, die jeweils 25 Meter lang sind. Diese Konstruktion ermöglicht eine gleichmäßige Verteilung der Last auf alle Elemente und benötigt zudem deutlich weniger Metall. Der Ingenieur Alexander Galankin, der mit Wladimir Schuchow zusammenarbeitete, schrieb, dass die Konstruktion des Turms einer sozialistischen Gesellschaft gleiche, in der alle gleich seien. Ein weiterer Vorteil war seine Widerstandsfähigkeit gegen Wind und seine Stabilität.
3. Ohne Kräne erbaut
Für die Errichtung des Turms wurde keine spezielle Ausrüstung verwendet. Jeder Abschnitt wurde am Boden zusammengebaut, anschließend mit Seilen nach oben gezogen und am darunterliegenden Abschnitt befestigt. „Ganze, 25 Meter hohe und bis zu 300 Pud schwere Abschnitte oder 10 Meter lange Querträger erschienen plötzlich, ohne dass sich ein einziger Arbeiter auf ihnen befand, vor dem wolkenverhangenen Himmel“, schrieb Galankin.
4. Der erste Fernsehturm des Landes
Im Frühjahr 1922 nahm der Turm seinen Betrieb auf – er wurde zum ersten Bauwerk des Sowjetstaates und zu einem Symbol seiner Epoche. Er ermöglichte der Moskauer Radiostation eine für damalige Verhältnisse unglaubliche Reichweite von 10.000 Kilometern. Im September desselben Jahres wurde vom Schuchow-Turm aus das erste Radiokonzert der UdSSR übertragen. 17 Jahre später begannen dort die regulären Fernsehsendungen mit einer Dokumentation über die Eröffnung des XVIII. Parteitags der Kommunistischen Partei.
Der Schuchow-Turm wurde sofort zum „Star“: Alexander Rodtschenko fotografierte ihn, und Abbildungen der Konstruktion erschienen auf zahlreichen Plakaten. Bis zur Errichtung des Ostankino-Turms im Jahr 1967 diente der Schuchow-Turm als wichtigster Fernsehsender der UdSSR. Von dort aus wurden noch bis 2002 Fernsehsendungen ausgestrahlt.
5. Inspirierte berühmte Architekten
Hyperboloidtürme sind heute auf der ganzen Welt zu finden. Der von Donald Crone entworfene Fernsehturm von Sydney ist nach wie vor das zweithöchste Bauwerk Australiens. In Guangzhou steht der 600 Meter hohe Fernsehturm, der von Mark Hemel und Barbara Kuit entworfen wurde und als höchstes Bauwerk dieser Art weltweit gilt. Der britische Architekt Norman Foster hat sich wiederholt auf das Erbe Wladimir Schuchows berufen und ihn als sein Vorbild im konstruktiven Ingenieurbau bezeichnet. In London erinnert der 180 Meter hohe Wolkenkratzer „The Gherkin“ an Schuchows Werk. Und in Abu Dhabi steht der Wolkenkratzer Capital Gate. Für dieses Projekt krümmte Foster die ursprüngliche Hyperboloidkonstruktion noch stärker.