Warum ist Moskau eine Stadt der Ringe?

Sergei Ryschikow / Roskosmos
Sergei Ryschikow / Roskosmos
Wenn man sich einen Stadtplan der Hauptstadt ansieht, könnte man meinen, Architekten und Ingenieure hätten im Laufe der Geschichte einfach liebend gerne Kreise gezeichnet. Zählen wir sie gemeinsam!
Max Alpert / Sputnik Plan Moskaus von 1600–1605)
Max Alpert / Sputnik

Kurz gesagt, Moskau dehnte sich historisch in konzentrischen Ringen aus: Zunächst ließen sich Kaufleute, Händler und Handwerker rund um den Kreml nieder, dann wurden auch diese Viertel von Befestigungsanlagen umschlossen; und später wurden auch die Viertel befestigt, die rund um sie entstanden. Und das war das Ergebnis.

Boulevardring

Archiv von Iwan Wladimirowitsch Jegorow, https://russiainphoto.ru Der Tschistoprudny-Boulevard von der Metrostation „Kirowskaja“ aus, 1945–1947.
Archiv von Iwan Wladimirowitsch Jegorow, https://russiainphoto.ru

Bereits gegen Ende des 16. Jahrhunderts hatte sich Moskau zu einer bedeutenden Handelsstadt entwickelt. Die sogenannte „Weiße Mauer“ umschloss die „Possads“ (Siedlungen), Klöster und Gärten. Am Ende des 18. Jahrhunderts traten an ihre Stelle breite, von Bäumen gesäumte Straßen – jener neun Kilometer lange Boulevardring, den wir heute kennen.

Sergei Pjatakow / Sputnik Erholende auf dem Twerskoi-Boulevard in Moskau.
Sergei Pjatakow / Sputnik

Gartenring

Michail Uspenski / Sputnik Neuer Plan Moskaus von 1825. Gezeichnet von der Baukommission für das Buch „Wegweiser in Moskau“.
Michail Uspenski / Sputnik

Später schlossen sich benachbarte Dörfer Moskau an, und die Grenze der neuen Gebiete wurde durch einen Erdwall markiert. Eine Straße mit diesem Namen („Земляной Вал“ – „Semljanoi Wal“) existiert noch heute in Moskau. Nach dem großen Brand von Moskau im Jahr 1812 entstanden Pläne, an der Stelle der ehemaligen Befestigungsanlagen eine breite, von Vorgärten gesäumte Straße anzulegen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus der Gartenring (15,6 km).

Museum von Moskau, https://russiainphoto.ru Semljanoi Wal vor der Umgestaltung
Museum von Moskau, https://russiainphoto.ru

Der Dritte Verkehrsring

Albert Garnelis / TASS Blick auf die Frunsenskaja-Uferstraße, den Dritten Verkehrsring (TTK) und die Wohnhäuser des Bezirks Chamowniki.
Albert Garnelis / TASS

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts markierte der dritte Ring um Moskau die rechtlichen Stadtgrenzen und trug den Namen Kamer-Kolleschski-Wall. Heute verläuft durch dieses Gebiet der moderne „Dritte Verkehrsring“ (35 km), der in den 1990er Jahren eröffnet wurde. Übrigens gab es bis vor Kurzem auch Pläne für einen vierten Ring – man entschied sich stattdessen jedoch für den Bau radialer Schnellstraßen.

Die Ringlinien der Moskauer Metro

Wiktor Koschewoi / TASS Januar 1976. Eine Fahrgästin an der Linienkarte der Moskauer Metro „W. I. Lenin“.
Wiktor Koschewoi / TASS

Moskau verfügt tatsächlich über zwei Ringlinien der Metro! Die erste verläuft ungefähr im Bereich des Gartenrings (etwa 20 km). Ihre Stationen gelten als Meisterwerke des stalinistischen Empire-Stils – man kann an jeder einzelnen aussteigen und die sowjetische Architektur bewundern.

Sputnik Juri Wassiljewitsch Senjuschkin – Leiter der Moskauer Metro „W. I. Lenin“ von 1979 bis 1986.
Sputnik

Und die zweite Linie gilt als die längste Ringlinie der Welt! Fast 57,5 ​​km unter der Erde – können Sie sich das vorstellen?

Der Moskauer Zentralring

Gemeinfrei Moskauer Ringbahn zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Gemeinfrei

Moskau verfügt sogar über einen Eisenbahnring! Bereits 1908 wurde die Moskauer Ringbahn nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt errichtet. Auf ihrer Grundlage wurde 2016 der Moskauer Zentralring (MZK) eröffnet – eine komfortable Verkehrsverbindung mit Umsteigemöglichkeiten zur Metro und zu Vorortzügen.

Artjom Geodakjan / TASS Linienkarte der Moskauer Metro an der Station des Moskauer Zentralrings „Luschniki“
Artjom Geodakjan / TASS

Moskauer Autobahnring

Sputnik Karte des Moskauer Autobahnrings, 1965.
Sputnik

Der Moskauer Autobahnring (MKAD) mit einer Länge von etwa 108 km wurde 1962 eröffnet. Bis in die 1980er-Jahre galt der MKAD als offizielle Stadtgrenze – heute erstrecken sich jedoch viele Moskauer Bezirke darüber hinaus.

Zusätzlich verlaufen weitere Ringstraßen in einem Abstand von 30–70 km vom MKAD: der Kleine Betonring, der Große Betonring und der Zentrale Automobilring (ZKAD).