Vor 305 Jahren wurde Russland zum Kaiserreich
Zwei Monate zuvor war der lang ersehnte Frieden von Nystad mit Schweden unterzeichnet worden, der dem Land umfangreiche Gebiete im Baltikum einbrachte und es in den Kreis der führenden europäischen Mächte aufsteigen ließ.
Bei der Zeremonie ergriff nach dem Gottesdienst und der Verlesung des Friedensvertragstextes der Vizepräsident des Synods, Bischof Feofan Prokopowitsch, das Wort zu einer Lobrede an den Zaren. Im Anschluss daran wandte sich Kanzler Gawriil Golowkin im Namen des Senats, des Synods und der Generalität an Peter mit der Bitte, die Titel „Vater des Vaterlandes“ und „Kaiser von ganz Russland“ anzunehmen. Dieser willigte ein, es erklangen begeisterte Rufe, die von den auf dem Platz versammelten Soldaten und Stadtbewohnern aufgenommen wurden.
Das Läuten der Glocken vermischte sich mit dem Donner von Gewehren und Geschützen. „Das Feuer aus der Festung, vom Admiralitätsgebäude und von den auf der Newa liegenden Schiffen war so gewaltig, dass alles in Flammen zu stehen schien und man meinen konnte, Himmel und Erde stünden kurz vor dem Untergang“, erinnerte sich ein Augenzeuge. Nach Verlassen der Kathedrale begab sich Peter zum Senat, um dort zu feiern – die Tische für tausend Gäste waren bereits gedeckt.
Als Erste erkannten die befreundeten Niederlande und Preußen, Verbündeter im Großen Nordischen Krieg, den neuen Status Russlands offiziell an. Nach und nach schlossen sich ihnen auch andere Mächte an, wobei viele in Europa Russland bereits nach dem Sieg in der Schlacht bei Poltawa im Jahr 1709 inoffiziell als Kaiserreich bezeichneten.