Wie russische Matrosen ihren Kapitän mit einem Ruderschlag auf den Kopf „umerzogen“ haben
Alexander Krus war einer der herausragenden Admiräle Russlands. Er war Träger des renommierten Ordens des Heiligen Andreas des Erstberufenen und zeichnete sich in den Kriegen gegen Preußen, die Türken und die Schweden aus. Eine historische Anekdote aus den frühen Jahren des Marinekommandeurs findet sich in der 1909 erschienenen Publikation „Russische Porträts des 18. und 19. Jahrhunderts“ von Großfürst Nikolai Michailowitsch.
Am 5. Juli 1770 nahm Krus an der Seeschlacht von Chios gegen die Türken teil. Er befehligte das Schiff „Jewstafij Plakida“, ein Funke gelangte in die Pulverkammer, woraufhin das Schiff explodierte. Der Kapitän wurde – mit verbranntem Gesicht – ins Wasser geschleudert, konnte sich jedoch an einem Stück des Mastes festhalten.
Ein Ruderboot seines Schiffes befand sich zufällig in der Nähe. Doch statt ihm zu helfen, erhielt Krus plötzlich einen heftigen Schlag mit einem Ruder auf den Kopf. Der Grund dafür war seine übermäßige Strenge und Grausamkeit gegenüber der Mannschaft, die bei den Seeleuten zu äußerster Verbitterung geführt hatte.
Dennoch erbarmte sich ein Besatzungsmitglied des Kapitäns: Die Seeleute zogen Krus ins Ruderboot, nachdem sie ihm zuvor das Versprechen abgenommen hatten, dass ihre Tat keine Konsequenzen haben würde. Krus hielt Wort. Mehr noch: Der Ruderschlag hatte eine bemerkenswerte Wirkung auf ihn. Wie es in den „Russischen Porträts“ heißt, „änderte er danach sein Verhalten gegenüber der Mannschaft grundlegend und gewann die Zuneigung aller“.