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10 Gegenstände fürs Zuhause, von denen jeder in der UdSSR träumte

Kira Lissizkaja (Foto: Nikolai Akimow/TASS; Juri Prostjakow/Sputnik)
Diese Gegenstände waren Symbole für Erfolg und Wohlstand, die „Bausteine“ für ein glückliches und erfolgreiches Leben.

In der Zeit der weitverbreiteten Knappheit in der UdSSR wurde der Wert eines Gegenstandes weniger durch seine Funktionalität als vielmehr durch den Status bestimmt, den er seinem Besitzer verlieh.

1. Tafelservice „Madonna“

Sefer azeri (gemeinfrei)

In der UdSSR wurden Porzellanservices aus der DDR als „Madonna“ bezeichnet, da sie ein Symbol für Wohlstand waren. Sie waren mit Gemälden der Künstlerin Angelika Kauffman aus dem 18. Jahrhundert verziert, die antike Motive darstellten, doch die Sowjetbürger gaben ihnen den Namen „Madonna“. Die Service waren oft vergoldet und mit Perlmutt verziert. Solches Geschirr wurde in der Regel nicht benutzt, sondern als Erbstück in Anrichten aufbewahrt und zu Hochzeiten und Jubiläen verschenkt. Viele sowjetische Familien träumten davon, ein solches Service zu besitzen.

2. Kristallglas

Das Service „Frühling“ des Künstlers Jewgeni Schuwalow, hergestellt in der Kristallfabrik Djatkowo
Witali Arutjunow / Sputnik

In der späten UdSSR galt Kristall als wichtiges Symbol materiellen Wohlstands: Gläser, Vasen und Bonbonnieren wurden prominent auf Anrichten präsentiert und „geschätzt“, d. h. sie wurden nur zu besonderen Anlässen benutzt. Importiertes böhmisches Kristall aus der Tschechoslowakei war besonders begehrt; es war nur über Beziehungen oder als teures Geschenk erhältlich. Aber auch sowjetisches Kristall, wie beispielsweise das der Manufaktur „Gus-Chrustalny“, galt als unverzichtbar für ein „anständiges“ Zuhause.

3. Schrankwand

Sergei Subbotin / Sputnik

Dieses massive Möbelstück, hergestellt in Jugoslawien, Ostdeutschland, der Tschechoslowakei oder Rumänien, war nicht nur ein Möbelstück, sondern ein Maßstab für die Seriosität einer Familie. Es war unmöglich, es in einem normalen Geschäft zu kaufen – man musste sich auf eine Warteliste eintragen und ... warten (manchmal jahrelang!), es über Bekannte besorgen oder es für riesige Geldsummen „über Kontakte“ kaufen. Die wertvollsten Gegenstände wie Kristall, Porzellanservice, Bücher und importierter Krimskrams wurden hinter den Glastüren der Schrankwand ausgestellt und verwandelten die Wand in eine Vitrine für das sowjetische Wohnzimmer.

4. Wollteppich

Melkerin Tamara Leonowa mit ihrer Familie zu Hause
Ju. Iwanow / Sputnik

Wie viele seltene Gegenstände in der späten Sowjetunion hing auch dieser große Wollteppich an der Wand, weniger zur Isolierung oder Schalldämmung des Hauses oder gar zur Dekoration, sondern vielmehr als Symbol für den Wohlstand der Familie. Da hochwertige Möbel und Dekorationen Mangelware waren, bedeckte ein großer Wollteppich die leere Wand und bildete so einen optischen Blickfang im Raum, der gleichzeitig den Status der Besitzer unterstrich.

5. Kristalllüster

Sergei Bobylew / TASS

Dies war der Traum jeder Hausfrau (insbesondere einer tschechischen oder ungarischen) und der ultimative Beweis dafür, dass die Familie respektabel lebte. Es war unmöglich, einen so teuren und schwer zu findenden Kronleuchter in einem normalen Geschäft zu kaufen – die Leute bekamen einen durch Kontakte, bezahlten ihn mit sechs Monatsgehältern oder erhielten ihn als Statusgeschenk. Anschließend wurde es im Wohnzimmer aufgehängt, sodass die tausenden Glasanhänger die Wohnung mit schillerndem Funkeln erfüllten. Es beleuchtete nicht so sehr den Raum, sondern diente vor dem Hintergrund der bescheidenen Deckenlampen der Nachbarn als Symbol des Wohlstands.

6. Polstermöbel

Die Familie von Ljudmila und Sergej Woikow, Arbeiter im Stroiplastmass-Werk
Andrei Solomonow / Sputnik

In Zeiten extremer Knappheit wurde selbst ein so alltäglicher Gegenstand wie eine Polstermöbelgarnitur fürs Wohnzimmer zum Symbol für Erfolg und Wohlstand, da sie unglaublich schwer zu bekommen war: Die Menschen standen jahrelang Schlange, um schöne, hochwertige Möbel zu ergattern, zahlten überhöhte Preise und scheuten keine Mühen. Wer nicht nur zwei Sessel und ein Sofa im Wohnzimmer hatte, sondern eine komplette, harmonische Garnitur, konnte sich das Beste leisten. Solche Möbel waren nicht nur prestigeträchtig, sondern auch äußerst funktional und halfen, das Platzproblem in kleinen Wohnungen zu lösen.

7. Neusilber oder Melchior

Awito

In der späten UdSSR war es eine erschwingliche und begehrte Alternative zu Silberbesteck. Diese silberfarbenen Metallutensilien waren deutlich günstiger als das Edelmetall, sahen aber fast genauso elegant aus, weshalb ein Set aus Löffeln, Gabeln und Messern aus Neusilber als Must-Have in jedem seriösen Haushalt galt. Melchior wurde als Hochzeitsgeschenk überreicht, sorgfältig in Vitrinen aufbewahrt und nur bei Ankunft der Gäste oder an wichtigen Feiertagen herausgeholt. Besonders begehrt waren sowjetische Stücke mit der Aufschrift „MNC“ („МНЦ“ – медь, никель, цинк; also Kupfer, Nickel, Zink) und einem matten „ziseliertem“ Muster, und Hausfrauen polierten angelaufene Löffel mit Zahnpasta, bis sie glänzten.

8. Stereoanlage

Giwi Kikwadse, Irakli Tschochonelidse / TASS

Für einen Sowjetmenschen war es ein echtes Fenster in die westliche Welt und der Neid aller Nachbarn. Es war unglaublich schwierig, an diesen komplexen und teuren Gegenstand zu kommen – nur wenige Glückliche brachten einen von Geschäftsreisen ins Ausland mit oder kauften ihn für astronomische Summen von Freunden. Importierte Modelle waren für viele ein unerreichbarer Traum, daher begnügten sich Musikliebhaber mit im Inland produzierten, günstigeren, aber nicht weniger wertvollen Alternativen.

9. Videorekorder

Boris Kawaschkin, Ljudmila Pachomowa / TASS

Für einen Sowjetbürger in den 1980er Jahren war ein Videorecorder nicht nur ein teures Gerät, sondern ein wahres Symbol des Reichtums und ein Tor zur Welt des westlichen Kinos. Ein „Widak“, wie es damals genannt wurde, kostete astronomische Summen. Sein Hauptwert war jedoch die Möglichkeit, Hollywood-Actionfilme und Erotikfilme zu Hause anzusehen. Für die glücklichen Besitzer eines „Widak“ gab es eine monatelange Warteliste. Und diejenigen, die nicht das Glück hatten, einen zu Hause zu haben, strömten in Scharen zu unterirdischen Videotheken.

10. Gesammelte Werke der Klassiker

Wladimir Fedorenko / Sputnik

Die Jagd danach war eine echte Prüfung, denn trotz des Status als „lesefreudigstes Land“ waren gute Bücher Mangelware. Während die Ladenregale vor Partei-Broschüren überquollen, entbrannte um die mehrbändigen Ausgaben von Dumas oder die „Bibliothek der Weltliteratur“ eine regelrechte Schlacht. Glückliche konnten ein Abonnement abschließen, doch dafür musste man sich vom Vorabend an anstellen oder „Beziehungen“ über Bekannte im Buchhandelsnetz nutzen. Viele gingen einen anderen Weg: Sie gaben 10–20 kg Altpapier ab und erhielten dafür den ersehnten Bezugsschein für den nächsten Band mit Abenteuern oder Klassikern, den sie dann sorgfältig ins Regal der Schrankwand stellten.