Was passiert, wenn man mit dem Finger den Himmel trifft?
In der Antike glaubte man, dass der Himmel eine feste Kuppel sei, die sich über die Erdoberfläche spanne und über die sich Sonne, Mond und Götter bewegten. Man war überzeugt, dass man den Himmel buchstäblich berühren könne. Daher wurde eine zufällige Geste in Richtung Himmel mit dem Wunsch verbunden, eine Verbindung zu etwas Unerreichbarem herzustellen.
Im Erklärenden Wörterbuch von Wladimir Dal wird dieser Ausdruck wie folgt definiert: „попасть пальцем в небо в самую середку“ – „mit dem Finger in den Himmel treffen, und zwar genau in die Mitte“. Es bedeutet, dass jemand etwas Unpassendes gesagt oder seinen Mangel an Weitsicht offenbart hat.
In der russischen Literatur wird dieser Ausdruck häufig verwendet, um zu betonen, dass eine Figur etwas aufs Geratewohl gesagt hat und damit falsch lag. Manchmal wird die Redewendung aber auch ironisch gebraucht – wenn eine zufällige Antwort plötzlich richtig ist. Eine Figur aus einem der Texte der Sammlung „Kleinigkeiten des Lebens“ des Schriftstellers Michail Saltykow-Schtschedrin sagt zu ihren Gesprächspartnern: „Lasst uns also nicht im Empyreum schweben, sonst riskieren wir, mit dem Finger in den Himmel zu zeigen; aber lasst uns auch nicht zu tief sinken, sonst riskieren wir, in einer Pfütze zu landen.“