Warum lieben Russen… „Vogelmilch“?
„Vogelmilch“ (russisch: „Ptitschje Moloko“) ist der Name einer beliebten Süßigkeit: ein luftiges Soufflé, überzogen mit einer Glasur aus Milch- oder Zartbitterschokolade. Das Soufflé kann nach Sahne, Zitrone oder Schokolade schmecken (manchmal sind die Sorten zufällig in der Schachtel gemischt, sodass man nicht weiß, welche man erwischt).
Die sowjetische „Vogelmilch“ hat ein polnisches Vorbild: die Süßigkeit namens „Ptasie Mleczko“. Im Jahr 1967 wies der sowjetische Minister für Lebensmittelindustrie die Süßwarenfabriken des Landes an, ein ähnliches Produkt zu entwickeln. Da kein Rezept vorlag, entwickelten die sowjetischen Konditoren ihre eigene Version durch Ausprobieren.
Als das Original und die erste Variante dieser Art gilt das Produkt der Süßwarenfabrik in Wladiwostok. Bis heute ist diese Süßigkeit aus dem Fernen Osten besonders begehrt – sie ist das wichtigste süße Souvenir aus dieser Region. Das entscheidende Merkmal – damals wie heute – ist die Verwendung von natürlichem Agar-Agar als Geliermittel, während andere Hersteller später dazu übergingen, Gelatine zu verwenden.
Nach Wladiwostok begann beispielsweise auch die Moskauer Fabrik „Rot Front“ mit der Herstellung dieser Süßigkeit. Sie unterscheidet sich geschmacklich leicht, und jedes Stück ist einzeln verpackt.
In den 1970er Jahren erfuhr diese im ganzen Land beliebte Süßigkeit eine Neuinterpretation: Das Moskauer Restaurant „Praga“ kreierte eine gleichnamige Torte. Der gleiche Geschmack, aber in größerem Format. Es handelte sich um dasselbe Soufflé, jedoch auf einem Biskuitboden und vollständig mit Schokoladenglasur überzogen.
Der Kuchen war sofort ein Riesenerfolg, und das Restaurant kam mit den Bestellungen kaum nach. In den 1980er Jahren begann dann die industrielle Massenproduktion. Für viele ist er bis heute ein Lieblingsgenuss und weckt zarte Kindheitserinnerungen.