Warum muss man Heilige hinaustragen und wann geschieht das?
Früher wurden die im Haus hängenden Ikonen „Heilige“ genannt. Ikonen wurden mit Ehrfurcht behandelt und man glaubte, dass unter den Blicken der „Heiligen“ nichts Skandalöses geschehen sollte. Und wenn es zu einem Skandal oder etwas Sündhaftem kam, war es notwendig, sie davor zu bewahren, Zeuge solcher Dinge zu werden. Deshalb wurden Ikonen beim geringsten Anzeichen von etwas, das über die Grenzen des Anstands hinausging, sei es ein Streit, Alkoholexzesse oder einfach nur Fluchen, aus dem Haus entfernt. In den Häusern der Altgläubigen wurden die Ikonen möglicherweise mit einem daneben angebrachten Vorhang abgedeckt.
Dieser Ausdruck wurde nicht nur in alltäglichen Situationen, sondern auch in der Literatur verwendet. Iwan Bunin beschrieb beispielsweise eine Figur in seiner Novelle „Der fröhliche Hof“ wie folgt: „Im Rausch konnte Miron aufbrausend sein. Es ist ja bekannt: Nüchtern tut er keinem Kind etwas zuleide, doch wenn er sich betrinkt – dann muss man die Heiligen hinaustragen.“ Im alltäglichen Sprachgebrauch könnte man damit etwas bezeichnen, das völlig aus dem Rahmen fällt, etwas, das man nicht ertragen kann und das für jeden unerträglich ist.