Was bedeutet der Ausdruck „sich dem Wunder hingeben“?

Kira Lissizkaja (Foto: Julia Pfeifer/www.imago-images.de, Creativ Studio Heinemann, Guillaumin/imageBROKER.com, Andrey Arkusha/Russian Look/Global Look Press; freepik.com)
Kira Lissizkaja (Foto: Julia Pfeifer/www.imago-images.de, Creativ Studio Heinemann, Guillaumin/imageBROKER.com, Andrey Arkusha/Russian Look/Global Look Press; freepik.com)
Wenn etwas Erstaunliches, ja sogar Außergewöhnliches geschieht, möchte man ausrufen: „диву даюсь!“ („diwu dajus!“ – „Ich gebe mich dem Wunder hin!“)

In russischen Märchen wurde das Wort „diwo“ im Sinne von „Wunder“ verwendet. In der Sammlung von Zaubergeschichten, die der Historiker und Volkskundler Alexander Afanassjew zusammenstellte, gibt es eine Erzählung über einen Fischer, dem ein gebratener Hecht direkt von der Pfanne zurück in den See sprang. „Was für ein diwo…“, staunt er. In einem anderen Märchen bittet die Ehefrau einen Kaufmann, ihr ein „diwo diwnoje, tschudo tschudnoje“ („ein wunderbares Wunder, ein staunenswertes Mirakel“) mitzubringen – also etwas Atemberaubendes. Der Kaufmann erfüllt den Wunsch: Er bringt eine Wundergans mit, die man endlos essen kann.

Im alltäglichen Leben wird der Ausdruck „diwu dawatsja“ („sich dem Wunder hingeben“, also „staunen“) verwendet, wenn man das Außergewöhnliche eines Geschehens betonen möchte.