Einer der tiefsten Gräben im Atlantik ist nach Sergei Wawilow benannt. Warum?

Fenster nach Russland (Foto: GEBCO, Jewgeni Tichanow / ТАSS)
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Er liegt nahe der Romanche-Bruchzone, unweit des Äquators, und reicht bis in eine Tiefe von 7.000 Metern.

Der Name ehrt sowohl das Forschungsschiff „Akademiker Sergei Wawilow“, das viele Jahre in diesem Gebiet unterwegs war, als auch Sergei Iwanowitsch Wawilow, den Präsidenten der Akademie der Wissenschaften der UdSSR.

Die vollständige Namensangabe ist wichtig, denn in Russland gab es zwei berühmte Brüder namens Wawilow: den renommierten Genetiker, Botaniker und Pflanzenzüchter Nikolai Wawilow und seinen jüngeren Bruder Sergei Wawilow (1891–1951) – einen Physiker, der als „Vater der sowjetischen Optik“ gilt.

GEBCO
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Die Brüder Wawilow wurden in Moskau als Söhne eines wohlhabenden Kaufmanns geboren. Sergei schloss sein Studium an der Fakultät für Physik und Mathematik der Moskauer Universität ab. Das Wesen des Lichts wurde zum zentralen Thema seiner Forschung. In den 1920er Jahren begann er, die Lumineszenz zu untersuchen – ein Phänomen, bei dem ein Stoff Energie aufnimmt und anschließend in Form von Licht wieder abgibt. Dabei entdeckte er ein grundlegendes Gesetz, das heute seinen Namen trägt: Das Wawilow-Gesetz beschreibt den Zusammenhang zwischen der Energieausbeute der Lumineszenz und der Wellenlänge des anregenden Lichts. Es gilt als klassisches Prinzip der physikalischen Optik.

Seine wohl bekannteste Leistung ist jedoch mit dem Wawilow-Tscherenkow-Effekt verbunden. 1933 schlug er seinem Doktoranden Pawel Tscherenkow vor, die Lumineszenz von Uransalzlösungen unter Gammastrahlung zu untersuchen. Als Tscherenkow ein schwaches blaues Leuchten entdeckte, das selbst in absolut reinen Flüssigkeiten auftrat, wollte er zunächst das Thema wechseln. Er hielt das Phänomen für eine Interferenzerscheinung oder einen experimentellen Fehler. Wawilow bestand jedoch darauf, die Versuche fortzusetzen. Als Erster erkannte er, dass es sich nicht um Lumineszenz, sondern um ein völlig neues physikalisches Phänomen handelte.

Jewgeni Tichanow / TASS Sergei Wawilow in seinem Büro
Jewgeni Tichanow / TASS

Diese Strahlung entsteht, wenn sich ein geladenes Teilchen durch ein transparentes Medium bewegt und dabei schneller ist als das Licht in diesem Medium. Die Wawilow-Tscherenkow-Strahlung entsteht durch die gemeinsame Emission zahlreicher Atome entlang der Teilchenbahn, die durch dessen elektrisches Feld beeinflusst werden. Die Strahlung geht also nicht vom Teilchen selbst aus, sondern vom Medium, das es durchquert. Das lässt sich mit einem Motorboot vergleichen, das sich über die Wasseroberfläche bewegt und dabei eine Welle erzeugt.

Für diese Entdeckung erhielten Pawel Tscherenkow, Igor Tamm und Ilja Frank 1958 den Nobelpreis für Physik – bereits nach Wawilows Tod.

Fenster nach Russland (Foto: Gemeinfrei) Pawel Tscherenkow, Igor Tamm, Ilja Frank
Fenster nach Russland (Foto: Gemeinfrei)

Der Wissenschaftler war nicht nur ein herausragender Experimentalphysiker, sondern auch eine führende Persönlichkeit der sowjetischen Wissenschaft. Im Jahr 1932 wurde er zum Vollmitglied der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, 1945 wurde er zum Präsidenten der Akademie – der höchsten wissenschaftlichen Einrichtung des Landes – gewählt. In dieser Funktion leitete er den Wiederaufbau der sowjetischen Wissenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg. Außerdem gründete er das Physikalische Institut der Akademie der Wissenschaften (FIAN).