Wir haben acht KI-Assistenten gebeten, Ausländern Russland zu erklären. Die Ergebnisse sind … seltsam!

Fenster nach Russland (OpenAI; Magnific)
Fenster nach Russland (OpenAI; Magnific)
Die Antworten handelten von grimmig dreinblickenden Russen, WLAN in der Metro und der Akzeptanz von Leid als Teil des Lebens.

Wir haben den beliebtesten neuronalen Netzen denselben Prompt gegeben: „Was muss ein Ausländer deiner Meinung nach über Russland wissen? Stell dir vor, er war noch nie dort und hat keinerlei Vorstellung von dem Land. Fass dich kurz.“

1. Fast alle begannen mit demselben Punkt: Russland ist das größte Land der Welt.

„Doch die Entfernungen werden durch lange Zugfahrten erträglich gemacht“, beruhigt „Alissa“ von „Yandex“ (Russland). Alle KIs nannten zudem den Winter als festen Bestandteil des Russland-Bildes, wobei einige etwas über das Ziel hinausschossen: „Das Klima ist rau: fast überall lange, kalte Winter, auch im Süden.“ (Claude, USA)

Juri Kotschetkow / Sputnik Stadtbewohner auf der Arbat-Straße in Moskau.
Juri Kotschetkow / Sputnik

2. Fast allen fällt zunächst auf, dass Russen selten lächeln. Doch sie fügen sofort hinzu: Man muss diese Russen nur ein wenig besser kennenlernen, dann öffnen sie sich auch schon!

„Zurückhaltend gegenüber Fremden – ein Lächeln ist nicht für jeden gedacht, doch Freundschaften sind tief und entstehen schnell“, sagt „DeepSeek“ (China). „Dass nicht gelächelt wird, gilt als Zeichen von Aufrichtigkeit, nicht von Höflichkeit“, bestätigt „Qwen“ (China). Und „Gemini“ (USA) gibt einen universellen Tipp: „Wer diesen Kontrast zwischen dem äußeren Erscheinungsbild und der inneren Wärme erst einmal verstanden hat, kann dieses Land als Reisender wirklich für sich entdecken.“

3. Was das Thema Politik betrifft, raten die neuronalen Netze zur Vorsicht und dazu, es nicht sofort anzusprechen.

„Sprechen Sie nicht sofort über Politik“, erklärt „DeepSeek“ kategorisch. „ChatGPT“ weist die Nutzer darauf hin, dass „die Einstellungen der Menschen zur Vergangenheit und zur Regierung sehr unterschiedlich sein können“, und „Perplexity“ (USA) empfiehlt, „voreilige Verallgemeinerungen über Politik und Geschichte zu vermeiden“.

„Alisa“ merkt an, dass Russland ein sehr vielfältiges Land ist: „Was in Moskau üblich ist, kann sich völlig von den Bräuchen im Fernen Osten oder in den Republiken des Kaukasus unterscheiden.“

4. Im kollektiven Vorstellungsbild der KI wirkt Russland im Allgemeinen wie in der Zeit erstarrt.

Da sind Tolstoi und Dostojewski, Ballett, strenge Winter, Züge, „Banja“ und „Pelmeni“, während der moderne Alltag fast schon unheimlich abwesend ist. „Claude“ bezeichnete Literatur, Ballett, Musik und Theatertraditionen als „Quelle des Stolzes und Teil des alltäglichen Selbstverständnisses“. „Hier wird Kunst sehr ernst genommen – als ein Weg, die Wahrheit zu begreifen“, erklärt „Qwen“.

Ilja Pitalew / Sputnik Eine Balletttänzerin vor Beginn des nächtlichen Konzerts in der Metrostation „Nowoslobodskaja“ in Moskau. Die „Ballettnacht in der Metro“ findet zu Ehren des Tages des Moskauer Verkehrs statt.
Ilja Pitalew / Sputnik

Es gibt ein paar Ausnahmen. „Perplexity“ sagt: „Moskau und St. Petersburg sind modern, hektisch und teuer; in kleineren Städten geht es meist gemächlicher zu, und persönliche Beziehungen spielen eine größere Rolle.“ Zudem wird darauf hingewiesen, dass „nicht alle ausländischen Bankkarten funktionieren“. Nun, das ist eigentlich noch zu optimistisch ausgedrückt: Ausländische Visa- und Mastercard-Karten funktionieren in Russland überhaupt nicht! Und „Kimi“ aus China hielt es aus irgendeinem Grund für nötig, den Ausländer gesondert darauf hinzuweisen, dass es in der Moskauer Metro WLAN gibt.

5. Der eigentliche Spaß beginnt, wenn die KIs versuchen, die geheimnisvolle „russische Seele“ zu erklären.

„Wenn ein Russe dich als Freund bezeichnet, dann für immer“, versichert uns „Qwen“. „Stereotypen über Bären und Wodka sind übertrieben“, beschwichtigt „Kimi“.

Doch „DeepSeek“ geht am weitesten: „Gesetze sind flexibel; informelle Gerechtigkeitsvorstellungen sind wichtiger.“ Zudem lieferte es gleich eine fertige Anleitung, um in die russische Welt einzutauchen: „Der Schlüssel zur Kultur liegt in der Literatur von Tolstoi und Dostojewski sowie in der Akzeptanz des Leids als Teil des Lebens. Im Alltag sind Bargeld und Geduld nützlich; probieren Sie eine ‚Banja‘ und ‚Pelmeni‘.“

Halten wir also all das fest: Dostojewski, Leiden, Bargeld, Geduld, „Banja“, „Pelmeni“!