Wer ist Zar Goroch?

Kira Lissizkaja (Foto: Alexandr Vorontsov, Archiv Gerstenberg / ullstein bild, colnihko / Getty Images)
Kira Lissizkaja (Foto: Alexandr Vorontsov, Archiv Gerstenberg / ullstein bild, colnihko / Getty Images)
Der Ausdruck „zu Zeiten von Zar Goroch“ bedeutet „vor sehr langer Zeit, in grauer Vorzeit“ / „vor undenklichen Zeiten“. Trotz seiner Beliebtheit in der Sprache sind sich Linguisten und Folkloristen über seinen Ursprung nicht einig. Es gibt mehrere Haupttheorien.

Die gängigste Erklärung bringt den Ausdruck mit russischen Volksmärchen in Verbindung. „Zar Goroch“ (was sich als „Zar Erbse“ übersetzen lässt) ist eine Märchenfigur – ein fiktiver Herrscher, der in den einleitenden Sätzen mancher Erzählungen erwähnt wird. Sein Name dient als Hinweis auf eine sehr weit zurückliegende Zeit. Ein Beispiel: „In uralten Zeiten führte Zar Goroch Krieg gegen die Pilze.“

Der Folklorist Alexander Afanassjew stellte eine komplexere Theorie auf. Er brachte den Namen „Goroch“ mit dem heidnischen Donnergott Perun in Verbindung. Im mythologischen Denken wurde „grom“ (Donner – etymologisch verwandt mit dem russischen Wort „grochot“, was „Grollen“ oder „Krachen“ bedeutet) mit Fruchtbarkeit assoziiert, und die Erbse galt ebenfalls als ein Symbol der Fruchtbarkeit. Demnach könnte „Zar Goroch“ eine abgewandelte Form von „Zar Groch“ sein – also eine Umschreibung für den Namen des gefürchteten Gottes Perun. Moderne Sprachwissenschaftler stehen dieser Hypothese jedoch skeptisch gegenüber und weisen darauf hin, dass die Wörter „grochot“ (Grollen) und „goroch“ (Erbse) unterschiedliche etymologische Wurzeln haben.

Schließlich führt eine dritte Theorie „Zar Goroch“ auf „Zargrad“ zurück. Möglicherweise bezog sich der Ausdruck ursprünglich auf Ereignisse, die „bei Zargrad“ (der im alten Russland gebräuchliche Name für Konstantinopel, das heutige Istanbul) stattfanden. Im Laufe der Zeit könnte sich die Wendung dann zu dem lautlich ähnlichen „zur Zeit des Zaren Goroch“ gewandelt haben.