7 Filme von Stanislaw Goworuchin, die man gesehen haben muss

Stanislaw Goworuchin/Mosfilm, 2015
Stanislaw Goworuchin/Mosfilm, 2015
Er war der Ansicht, dass das Kino Geschichten aus dem Leben der Menschen erzählen sollte.

Bevor er Regisseur wurde, studierte Stanislaw Goworuchin (1936–2018) auf Drängen seiner Mutter Geologie und bereiste fast das ganze Land. Doch er wollte mehr, nahm eine Stelle in einem Fernsehstudio in Kasan an und ging 1961 von dort nach Moskau, um sich am renommierten Gerassimow-Institut für Kinematographie (WGIK) einzuschreiben.

Sein erster Spielfilm, „Die Vertikale“, brachte nicht nur ihm selbst, sondern auch Wladimir Wyssozki, der eine der Rollen spielte, Ruhm. Neben der Regiearbeit schrieb Goworuchin Drehbücher und spielte selbst mit. Er verfasste die Geschichte für einen der erfolgreichsten sowjetischen Filme, den Thriller „Piraten des 20. Jahrhunderts“, und seine bekannteste Rolle war die eines Verbrecherbosses in Sergei Solowjows Kultklassiker „Assa“.

Seine Interessen beschränkten sich jedoch nicht nur auf das Kino. In den 1990er-Jahren begann er zu malen und sagte, dass er dank seiner Landschaftsbilder nicht nur die Welt, sondern auch sich selbst in einem neuen Licht sehen konnte. In seiner Freizeit spielte er gern Billard und Schach. Während der Perestroika engagierte sich der Regisseur politisch und kandidierte im Jahr 2000 sogar für das Amt des russischen Präsidenten.

Er ist jedoch vor allem als Regisseur von Filmen und Fernsehserien bekannt, die zu Klassikern des russischen Kinos geworden sind. Hier sind die wichtigsten:

1. „Die Vertikale“ (1967)

Sputnik
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Goworuchin drehte seinen ersten Spielfilm zusammen mit seinem Studienkollegen Boris Durow. Die Geschichte einer Gruppe von Bergsteigern, die auf einem Berggipfel in einen Schneesturm geraten, wurde in der Elbrus-Region gedreht. „Die Vertikale“ thematisiert ein moralisches Dilemma: Nachdem einer der Bergsteiger von einem Funker von einem herannahenden Sturm erfahren hat, beschließt er, dies geheim zu halten. Er hofft, trotz des schlechten Wetters einen neuen Gipfel zu bezwingen und die Ärztin Larisa zu beeindrucken.

Goworuchin besetzte die Rolle des Funkers mit dem Schauspieler und modernen Barden Wladimir Wyssozki. Die Lieder, die dieser während der Dreharbeiten komponierte, wurden in den Film aufgenommen.

2. „Die schwarze Katze“ („Der Treffpunkt kann nicht geändert werden“) (1978)

Sputnik
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Im Nachkriegsmoskau jagt die Polizei die „Schwarze Katze“-Bande. Da es alles andere als einfach ist, ihnen nahezukommen, wird der Polizist Wolodja Scharapow zur Infiltration eingesetzt. Dieser spannende fünfteilige Film basiert auf dem Roman „Die Ära der Barmherzigkeit“ der Brüder Wainer. Wyssozki spielt erneut eine der Hauptrollen, Polizeihauptmann Gleb Scheglow. Er wirkte auch am Drehbuch mit und führte bei einigen Szenen Regie.

Der Film wurde unglaublich populär, und viele seiner Zitate sind in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen. „Was für eine Fresse du hast, Scharapow!“, „Ein Dieb gehört ins Gefängnis!“ – Anhand dieser (und vieler anderer) Zitate erkennt man sofort, ob jemand einen der populärsten sowjetischen Filmklassiker gesehen hat.

3. „Das letzte Weekend“ („Десять негритят“) (1987)

Legion Media
Legion Media

Eine Verfilmung von Agatha Christies Roman über zehn Fremde, die auf eine einsame Insel eingeladen werden – nicht aus bloßer Neugier, sondern um für ihre Verbrechen bestraft zu werden. Der unheimliche, anonyme Gastgeber hat für jeden von ihnen eine Hinrichtung vorbereitet: Nach jedem Tod verschwindet eine Figur eines kleinen schwarzen Jungen von einem Tablett im Wohnzimmer, bis keine mehr übrig ist. Doch das Ergebnis ist mehr als nur ein Kriminalroman, es ist ein Film über unausweichliche Vergeltung.

Goworuchin betrachtete „Das letzte Weekend“ als den ersten sowjetischen Thriller und nannte ihn sein bestes Werk.

4. „So kann man nicht leben“ (1990)

Stanislaw Goworuchin/Mosfilm, 1990
Stanislaw Goworuchin/Mosfilm, 1990

Ein Dokumentarfilm über den Sowjetstaat am Ende der Perestroika. Goworuchin drehte in verschiedenen Regionen des Landes und zeigte, wie sich das Leben der Menschen katastrophal veränderte. Die Aufnahmen wirkten wie ein Schock: Verwüstung, grassierende Kriminalität und eine Machtkrise. Kritiker nannten den Film einen „Blick in den Abgrund“. Jahre später jedoch glaubte der Regisseur, der Film habe mehr Schaden als Nutzen gebracht.

5. „Der Woroschilow-Schütze“ (1999)

Stanislaw Goworuchin/NTW-Profit, 1999
Stanislaw Goworuchin/NTW-Profit, 1999

Ein Drama über Vergeltung. Drei Freunde locken ein Mädchen aus der Nachbarschaft in ihre Wohnung und vergewaltigen sie. Als ihr Großvater, ein ehemaliger Frontsoldat, von der Tragödie erfährt, erkennt er, dass die Täter ungestraft davonkommen werden. Einer von ihnen ist der Sohn eines Polizeiobersts, weshalb der Fall vertuscht werden soll. Daraufhin beschließt er, die Gerechtigkeit selbst in die Hand zu nehmen und tötet zwei der Vergewaltiger. Nur der Sohn des Polizisten überlebt, doch er verliert den Verstand und erschießt seinen Vater.

„Der Woroschilow-Schütze“ wurde dafür kritisiert, Lynchjustiz zu verharmlosen. Der Regisseur war jedoch der Ansicht, dass die Verbrecher ihre gerechte Strafe erhalten müssten. Andernfalls würden die Menschen „nach dem Gesetz des Dschungels leben“.

6. „Gott segne die Frau“ (2003)

Stanislaw Goworuchin/Mosfilm, 2003
Stanislaw Goworuchin/Mosfilm, 2003

Dieser Film basiert auf der Geschichte eines realen Paares. Wera, die Hauptfigur, heiratet den Soldaten Alexander. Fortan widmet sie ihr ganzes Leben seinen Interessen und Wünschen. Doch nach seinem Tod beginnt ein neues Kapitel für sie. „Gott segne die Frau“ wurde zum Durchbruch für Swetlana Chodtschenkowa, die die Hauptrolle spielte. Goworuchin war so beeindruckt von ihrem Talent, dass er sie auch in anderen Filmen einsetzen wollte. Die Hauptbedingung war, dass sie nicht abnehmen sollte. Doch die Schauspielerin entschied sich anders.

7. „Das Ende der Belle Epoque“ (2015)

Stanislaw Goworuchin/Mosfilm, 2015
Stanislaw Goworuchin/Mosfilm, 2015

Der Regisseur bekannte sich offen zu seiner Liebe zum Schwarzweißfilm. Er sagte, er vertraue ihm mehr. Deshalb entschied er sich, seinen Film nach Sergei Dowlatows Erzählungen nicht in Farbe zu drehen. Goworuchin entlehnte den Filmtitel einem Gedicht von Iossif Brodski. Die Handlung spielt im „goldenen Zeitalter“ der sowjetischen Geschichte – der Epoche des „Tauwetters“ unter Chruschtschow. Der Journalist Andrej Lentulow verlässt Leningrad und geht nach Tallinn in der Estnischen SSR. Seine Arbeit bei der Lokalzeitung findet jedoch ein jähes Ende, als Andrejs Manuskript im Besitz seines dissidenten Freundes gefunden wird. Dies ist sowohl ein Abschied vom Tauwetter als auch eine Erinnerung an eine glückliche Zeit relativer Freiheit.