Wie der erste Freizeitpark im zaristischen Russland entstand
Es gab reichlich Unterhaltung: ein Riesenrad, Labyrinthe und Zerrspiegel, Bootsfahrten sowie Filmkabinen – die damals der letzte Schrei waren. Der Eintritt in die eine Kabine war frei, während man für die andere, in der Filme mit einem über einen Phonographen synchronisierten Ton gezeigt wurden, eine Eintrittskarte benötigte.
Der Vergnügungspark bot zudem eine von „Geistern“ bewohnte Geisterburg, ein Riesenrad, eine Schießbude, an der die Besucher Holzbälle auf Teller, Platten und Gläser werfen mussten, und sogar ein somalisches Dorf. Seine Bewohner, in traditioneller Kleidung, trugen Speerkämpfe aus und kehrten, wenn sie nicht gerade auftraten, zu ihren häuslichen Pflichten zurück – als befänden sich die Hütten nicht in Kolomna bei St. Petersburg, sondern in Afrika.
Der Höhepunkt des Programms war eine riesige Achterbahn. Die Bahn war wie eine Bergbahn gestaltet: Die Besucher stiegen in die Wagen, und der Zug begann seine Talfahrt. Sie war bei den Besuchern unglaublich beliebt: „Sie schienen ein wohlhabendes Publikum zu sein, doch sie benahmen sich wie in Schtschipok, schrien und quietschten vor Vergnügen“, berichteten Zeugen. Übrigens war der Dichter Alexander Blok ein Fan der Achterbahn – er fuhr einmal an einem einzigen Tag 21 Mal damit! Insgesamt soll er sie mehr als 80 Mal gefahren sein!
Die Fahrgeschäfte waren bis zum Sommer 1915 in Betrieb; danach wurde der Vergnügungspark mehrfach umgebaut, doch 1918 schloss er endgültig.