Wer hat die russische Sprache der Welt nähergebracht?
Das Bild von Witali Kostomarow (1930–2020) entspricht nicht dem stereotypen Porträt eines großen Gelehrten. Er hatte ein verschmitztes Lächeln, liebte Motorräder und schnelles Fahren, war ein wenig verträumt und zog philologische Rätsel der trockenen Wissenschaft vor.
Seine Kindheit fiel in die Zeit des Zweiten Weltkriegs. „Meine Russisch- und Literaturlehrerin, bei der ich während der schwierigen Kriegsjahre lernte, hatte großen Einfluss auf meine Zukunft. Sie las uns Gedichte vor, und das kalte Klassenzimmer wurde dadurch irgendwie wärmer“, erinnerte er sich später.
Schon damals entwickelte er ein großes Interesse an Sprachen und eilte nach der Schule zum Sanskritunterricht. Später absolvierte er gleich zwei Fakultäten der Moskauer Universität: Philologie und Fremdsprachen mit Schwerpunkt Übersetzen.
Der junge Wissenschaftler träumte davon, der ganzen Welt Russisch beizubringen. 1960 entwickelte er eine eigene Methodik für den Unterricht von Russisch als Fremdsprache.
Brachte der ganzen Welt Russisch bei
Im Jahr 1966 wurde an der Staatlichen Universität Moskau dank Kostomarows Bemühungen ein wissenschaftlich-methodisches Zentrum für die Erforschung der russischen Sprache eröffnet. Sieben Jahre später entwickelte sich dieses zum Staatlichen Puschkin-Institut für Russische Sprache. Ein weiteres Jahr später gründete Kostomarow gemeinsam mit seinem Mentor, dem Akademiemitglied Wiktor Winogradow, die Internationale Vereinigung der Lehrer für russische Sprache und Literatur, die Russisch-Experten aus der ganzen Welt vereinte. Später rief er zudem den internationalen Puschkin-Wettbewerb für ausländische Russischlehrer ins Leben.
„Die russische Sprache hat ein wenig Pech, weil sie sehr stark von der politischen Stimmung abhängt. Wenn etwas Unangenehmes passiert, hören die Menschen auf, Russisch zu lernen. Wenn etwas sehr Gutes passiert, beginnen alle, Russisch zu lernen“, sagte Kostomarow einmal und stellte zugleich fest, dass der langfristige Trend paradoxerweise aufwärtsgeht.
Er war aufrichtig davon überzeugt, dass die Welt die russische Sprache braucht, und reiste mit Vorträgen in nahezu alle Länder der Erde.
Sein Lehrbuch „Russisch für alle“ (rus. „Русский для всех“) gilt bis heute als eine Art Bibel für Russischlehrer auf der ganzen Welt. Das Staatliche Puschkin-Institut für Russische Sprache entwickelte sich zu einer führenden Einrichtung für das Lehren und Erlernen von Russisch als Fremdsprache. In den mehr als fünf Jahrzehnten seines Bestehens haben dort mehr als eine halbe Million Menschen aus 150 Ländern ihren Abschluss gemacht.
Wenn Sie mehr über diesen bedeutenden Gelehrten erfahren möchten, sehen Sie sich den Dokumentarfilm „Ein Stern namens Kostomarow“ an, der von der Rundfunk- und Fernsehgesellschaft „Russkij Mir“ („Russische Welt“) mit Unterstützung des Fonds für Präsidentenzuschüsse und der Stiftung „Russkij Mir“ produziert wurde. Der Film ist auf Russisch, Englisch, Chinesisch, Französisch und Serbisch verfügbar.