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Was geschieht auf diesem Gemälde von Grigori Ugrjumow?

Die Schlacht ist vorüber, der Feind ist besiegt und der Sieger zieht mit seinem Heer in die Stadt ein. So stellte sich der Künstler einen der dramatischsten Momente nach der „Schlacht auf dem Eise“ vor.

Am 30. August 1790 versammelte sich ganz St. Petersburg im Alexander-Newski-Kloster: In Anwesenheit Katharinas II. wurde die neue Dreifaltigkeitskathedrale geweiht. Die Kaiserin scheute keine Kosten: Die Kathedrale wurde mit einer Ikonostase aus weißem Marmor und einem über 200 Kilogramm schweren silbernen Kronleuchter ausgestattet. Zudem stiftete sie Gemälde westlicher Künstler aus ihrer eigenen Sammlung. Auch bei russischen Künstlern wurden Ikonen und religiöse Gemälde für die Kathedrale in Auftrag gegeben; zu ihnen zählte Grigori Ugrjumow.

Porträt von G. I. Ugrjumow. 1814
Russisches Museum

Ugrjumow, Sohn eines Kaufmanns aus Jaroslawl, schloss 1785 sein Studium an der Kaiserlichen Kunstakademie ab und verbrachte anschließend vier Jahre auf einer Studienreise in Rom. Nach seiner Rückkehr übernahm der damals 26-Jährige an der Akademie eine Lehrtätigkeit für Historienmalerei und begann mit der Arbeit an seinem bis dahin ehrgeizigsten Projekt: einem Gemälde, das eine Episode aus dem Leben des heiligen Fürsten Alexander Newski darstellte. Die Fertigstellung des Werkes nahm drei Jahre in Anspruch.

Statt das Blutvergießen der Schlacht zu zeigen, wählte er den Moment, in dem der siegreiche Feldherr in die befreite Stadt einzieht. Im Jahr 1240 eroberten Ritter des Livländischen Ordens Gebiete der Republik Nowgorod sowie Isborsk und belagerten Pskow. Durch eine List gelang es ihnen, die als uneinnehmbar geltende Festung der Stadt einzunehmen: Bojaren, die Pskows Unabhängigkeit von Nowgorod anstrebten, öffneten den Eindringlingen die Tore. Doch schon bald baten die Einwohner von Pskow den Fürsten Alexander Jaroslawitsch von Perejaslawl um Hilfe. Er kam – nicht nur mit seinem eigenen Gefolge, sondern auch mit der Wladimir-Susdalischen Landwehr und Truppen aus Nowgorod. Im Winter 1242 wurde Pskow befreit. Nur wenige Monate später, am 5. April, besiegte Alexander Newski die Livländer auf dem Peipussee. Nach seinem Sieg in der sogenannten „Schlacht auf dem Eise“ drängte er die Kreuzritter zurück.

Gemälde „Alexander Jaroslawitsch Newski in Pskow nach dem Sieg über den Deutschen Orden“
Russisches Museum

Das Gemälde „Alexander Jaroslawitsch Newski in Pskow nach dem Sieg über den Deutschen Orden“  ist von monumentalen Ausmaßen – zwei mal drei Meter. Vor den Mauern des Pskower Kremls wird Newski von Mönchen, Stadtbewohnern und Bojaren empfangen. An der Spitze des Triumphzuges reitet der siegreiche Fürst auf einem weißen Pferd. Er trägt eine prächtige Kleidung: rote Safianlederstiefel, einen mit Edelsteinen bestickten goldenen Kaftan und einen mit kostbarem Pelz besetzten Umhang. Man kann den Blick kaum von ihm abwenden. Einer Legende zufolge verlieh der Künstler dem Fürsten die Gesichtszüge von Katharina II.‘s Lieblingsenkel, dem späteren Alexander I.

Gemälde „Alexander Jaroslawitsch Newski in Pskow nach dem Sieg über den Deutschen Orden“
Russisches Museum

Rechts neben dem siegreichen Fürsten sind zwei Gefangene in vollständigen Ritterrüstungen zu sehen – livländische Gefangene. Hinter Newski erstreckt sich ein Meer von Menschen: Darunter sind bäuerliche Milizionäre und Krieger aus seinem Gefolge, die Banner mit sich führen.

Gemälde „Alexander Jaroslawitsch Newski in Pskow nach dem Sieg über den Deutschen Orden“
Russisches Museum

Dank dieses Werkes erlangte Ugrjumow den Ruf eines Meisters der Historienmalerei. Der Dichter und Kurator der Moskauer Universität Michail Murawjow beschrieb ihn als einen Maler, der „von Liebe zum Vaterland erfüllt“ sei, und war der Ansicht, dass er „würdig sei, den Ruhm der russischen Helden zu verewigen“. Der Stil des Künstlers passte perfekt zum russischen Hof: Er erhielt Aufträge nicht nur von Katharina II., sondern auch von ihrem Sohn Paul I. und ihrem Enkel Alexander I.