Wie ein sowjetischer Offizier einst Kim Il-sung das Leben rettete
Es geschah am 1. März 1946 in Pjöngjang. Kim Il-sung, der damalige Vorsitzende der provisorischen nordkoreanischen Regierung, hielt eine Rede bei einer Kundgebung auf dem Platz vor dem Bahnhof, als jemand aus der Menge eine Granate in Richtung Tribüne warf. Der Unterleutnant Jakow Nowitschenko von der Wachmannschaft war als Erster bei der Granate. Ohne zu zögern und obwohl sich überall Menschen befanden, warf er sich zu Boden und deckte sie mit seinem Körper ab.
Die Explosion riss Nowitschenko die rechte Hand ab und verletzte sein linkes Auge. Sein Körper war von Wunden übersät, doch wie durch ein Wunder überlebte der junge Offizier: Ein dickes Buch unter seiner Kleidung hatte einen Großteil der Granatsplitter abgefangen.
Kim Il-sung ließ ihm regelmäßig Blumen und Obst ins Krankenhaus bringen und schenkte ihm später ein silbernes Zigarettenetui mit einer Dankesinschrift. Nach seiner Genesung kehrte der Offizier in seine Heimat zurück. 1951 erhielt er für seine Heldentat den Rotbannerorden. Anschließend führte er ein bescheidenes Leben fernab der Öffentlichkeit.
1984 änderte sich jedoch alles: Als Kim Il-sung die Sowjetunion besuchte, beschloss er, seinen Retter wiederzusehen. Auf Einladung des nordkoreanischen Staatschefs reiste Nowitschenko in die DVRK. Dort erhielt er den Ehrentitel „Held der Arbeit“ sowie den Orden der Nationalflagge I. Klasse. 1985 kam der sowjetisch-nordkoreanische Gemeinschaftsfilm „Eine Sekunde für eine Heldentat“ in die Kinos. Einige Jahre später wurde in Nordkorea ein Denkmal enthüllt, das den sowjetischen Offizier zeigt, wie er sich auf ein Buch gestützt auf die Granate stürzt.
Von da an blieben Kim Il-sung und Nowitschenko fast bis zu ihrem Lebensende in Kontakt. Beide starben 1994. Doch auch danach wurde der mutige Unterleutnant in Nordkorea nicht vergessen. 2014 wurde dort sein 100. Geburtstag groß gefeiert. Eine nordkoreanische Delegation unter Leitung des Botschafters besuchte damals sein Heimatdorf Trawnoje in der Region Nowosibirsk.
Am 7. September 2026 wurde schließlich die erste Straßenbrücke eröffnet, die beide Länder miteinander verbindet. Sie trägt den Namen von Jakow Nowitschenko.