Warum wurden die Söhne Iwans des Schrecklichen heiliggesprochen?

Fenster nach Russland (Foto: Gemeinfrei) „Der heilige Theodor Stratelates“ (1557) – Zar Fjodor Iwanowitsch, „Der heilige Johannes Klimakos“ (1554) – Iwan Iwanowitsch (Zarewitsch), „Der heilige Demetrios von Thessaloniki“ (1582) – Zarewitsch Dmitri von Uglitsch
Fenster nach Russland (Foto: Gemeinfrei)
Der Zar hatte acht Kinder – fünf Söhne und drei Töchter. Die meisten von ihnen starben jedoch im Säuglings- oder frühen Kindesalter.

Drei der Söhne des Zaren – Iwan, Fjodor und Dmitri – erreichten das Erwachsenenalter. Die beiden Letztgenannten wurden später aus unterschiedlichen Gründen und zu unterschiedlichen Zeiten heiliggesprochen.

Zar Fjodor Iwanowitsch (1557 – 1598)

Fjodor wurde als Sohn von Iwan dem Schrecklichen und dessen erster und geliebter Ehefrau Anastassija Romanowna geboren. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1584 bestieg er den Thron und wurde zum letzten Zaren aus der Rurikiden-Dynastie.

Fjodor ging als „der Selige“ in die Geschichte ein. Zeitgenossen beschrieben ihn als sanftmütigen, tief religiösen Mann, der wenig Interesse an den Staatsgeschäften zeigte. Sein Vater gab ihm den Spitznamen „Glöckner“, weil er eine große Leidenschaft für das Läuten von Glocken hatte. Oft stieg er selbst auf den Glockenturm und läutete die Glocken.

Berichten zufolge teilte Fjodor auch die Leidenschaft seines Vaters für brutale Wettkämpfe – etwa Faustkämpfe und Kämpfe zwischen Menschen und Bären.

Tatsächlich lag die Macht während seiner Herrschaft jedoch weitgehend in den Händen seines Schwagers, des Bojaren Boris Godunow. Das bedeutete allerdings nicht, dass Fjodor unfähig war zu regieren. So beteiligte er sich beispielsweise persönlich an der Errichtung des Moskauer Patriarchats im Jahr 1589 und am Krieg gegen Schweden.

Gemeinfrei Porträt Fjodor Iwanowitschs (1630er-Jahre) auf der Grabplatte in der Erzengelkathedrale des Moskauer Kremls.
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Dennoch sahen seine Zeitgenossen in ihm weniger einen Politiker als vielmehr einen frommen und rechtschaffenen Menschen. Sein Leben galt als Vorbild christlicher Demut, asketischen Gebets und pflichtbewusster Hingabe. Der Legende nach sprach der Zar vor seinem Tod mit einer für andere unsichtbaren Gestalt, die er als großen Kirchenfürsten anredete. Im Moment seines Todes erfüllte ein süßer Duft die Gemächer des Moskauer Kremls.

Die Verehrung Fjodors als Heiliger von Moskau begann unmittelbar nach seinem Tod im Jahr 1598. Bereits Anfang des 17. Jahrhunderts entstanden Ikonen, die Fjodor mit einem Heiligenschein zeigten, und Patriarch Hiob verfasste seine Hagiografie. 1982 sprach die Russisch-Orthodoxe Kirche Zar Fjodor Iwanowitsch offiziell als Teil der Synaxis der Wladimirer Heiligen heilig. Damit wurde Fjodor als „rechtgläubiger Zar“ verehrt – als Herrscher, dessen Heiligkeit sich nicht durch das Martyrium, sondern durch ein frommes Leben und seinen demütigen Dienst an Gott und seinem Volk zeigte.

Zarewitsch Dmitri von Uglitsch (1582 – 1591)

Dmitri war der jüngste Sohn Iwan des Schrecklichen und dessen letzter Ehefrau Maria Nagaja. Nach dem Tod seines Vaters wurden er und seine Mutter in die Stadt Uglitsch geschickt.

Einige Quellen – vor allem ausländische – berichten von grausamen Neigungen Dmitris. Der englische Gesandte Giles Fletcher schrieb in seinen Berichten über Russland, der Zarewitsch beginne, „alle Eigenschaften seines Vaters“ zu zeigen. Er habe demnach Gefallen daran gefunden, beim Schlachten von Vieh zuzusehen, und Hühner und Gänse eigenhändig mit einem Stock totgeschlagen.

Der deutsche Söldner Konrad Bussow schilderte eine Episode mit „Schneebojaren“: Der Zarewitsch soll seine Spielkameraden angewiesen haben, Schneefiguren verschiedener Fürsten und Adliger zu bauen. Jeder Figur gab er den Namen eines bestimmten Bojaren. Anschließend hackte und schlug er mit einem Säbel oder einer Keule die Köpfe, Arme und Beine der Figuren ab und erklärte, so werde er mit seinen Feinden verfahren, sobald er Zar sei. An erster Stelle stand die Figur Boris Godunows, der er den Kopf abschlug.

Dmitri starb 1591 unter mysteriösen Umständen. Beim Spielen mit Messern erlitt er einen epileptischen Anfall und fügte sich dabei selbst eine tödliche Verletzung zu.

Gemeinfrei „Demetrios von Thessaloniki“ – eine **Maßikone** des Zarewitsch Dmitri. Museen des Moskauer Kremls.
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Eine offizielle Untersuchung unter der Leitung des Bojaren Wassili Schuiski kam zu dem Schluss, dass Dmitris Tod ein Unfall gewesen sei. Gleichzeitig machte ein Gerücht Boris Godunow für seinen Tod verantwortlich und behauptete, er habe damit seinen Weg zum Thron freimachen wollen. Diese Theorie gewann vor allem an Bedeutung, nachdem mehrere Betrüger auftraten, die behaupteten, der „wunderbar gerettete Zarewitsch“ zu sein.

Die Heiligsprechung Dmitris im Jahr 1606 wurde vom neuen Zaren Wassili Schuiski initiiert. Die Motive waren dabei nicht nur religiöser, sondern auch politischer Natur: Die Gerüchte, der Zarewitsch sei noch am Leben, sollten entkräftet und die Hochstapler diskreditiert werden. Dmitri wurde als unschuldiger „Leidensdulder“ verehrt, der durch die Hand von Mördern ums Leben gekommen sei. Seine Reliquien wurden feierlich von Uglitsch in die Erzengel-Michael-Kathedrale des Moskauer Kremls überführt, und Dmitri wurde offiziell als Heiliger kanonisiert.

Im 17. Jahrhundert wurde Zarewitsch Dmitri zu einem der am meisten verehrten Heiligen Russlands. Ikonen mit seinem Abbild wurden im ganzen Land verbreitet. Er galt als himmlischer Schutzpatron der russischen Fürsten und als Beschützer des Staates.

Warum wurde Iwan Iwanowitsch (1554 – 1581) nicht heiliggesprochen?

Iwan der Schreckliche hatte mit Anastassija Romanowna einen ältesten Sohn, den Zarewitsch Iwan Iwanowitsch. Er starb im Alter von 27 Jahren, nachdem sein Vater ihn in einem Wutanfall mit seinem Zepter geschlagen hatte. Zarewitsch Iwan Iwanowitsch wurde nicht heiliggesprochen, da sein Tod trotz seiner Tragik nicht den Kriterien für eine orthodoxe Heiligsprechung entsprach. Er starb weder als Märtyrer noch als Leidensdulder, sondern infolge eines Familienstreits.

Tretjakow-Galerie Ilja Repin. „Iwan der Schreckliche und sein Sohn Iwan am 16. November 1581“
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