Wie funktionieren Netzwerkuniversitäten in Russland?
Neue Technologien, Online-Bildung und die Globalisierung eröffnen Studierenden aus verschiedenen Teilen der Welt neue Möglichkeiten, gemeinsam zu lernen – selbst wenn sie Tausende von Kilometern voneinander entfernt sind. Die Lösung sind Netzwerkuniversitäten.
Dabei handelt es sich um ein globales Bildungsnetzwerk, in dessen Rahmen mehrere Universitäten die Schaffung eines gemeinsamen akademischen Raums vereinbaren. In diesem Raum tauschen die Hochschulen Studierende, Lehrkräfte und Wissen auf internationaler Ebene aus.
Ein Teil des Studiums kann online absolviert werden: Man kann Vorlesungen von Professoren aus anderen Ländern besuchen, an Seminaren teilnehmen und an gemeinsamen Projekten arbeiten. Anschließend besteht die Möglichkeit, für einen befristeten Studienaufenthalt an eine Partneruniversität im Ausland zu gehen.
Russland war Initiator vieler Netzwerkuniversitäten, und russische Hochschulen erweitern aktiv die Listen verschiedener Konsortien. Für sie ist dies eine Frage des Status und des Prestiges – die Mitgliedschaft in einer Netzwerkuniversität verleiht einer Hochschule internationales Ansehen und internationales Niveau.
Welche Netzwerkuniversitäten gibt es?
Diana Parker (rechts), stellvertretende Generaldirektorin des südafrikanischen Ministeriums für Hochschulbildung und Ausbildung, nimmt per Videokonferenz an einer Sitzung des Internationalen Leitungsgremiums der BRICS-Netzwerkuniversität teil.
1. BRICS-Netzwerkuniversität
Das 2015 gegründete Netzwerk vereint derzeit 178 führende Universitäten aus zehn BRICS-Mitgliedstaaten: Brasilien, Ägypten, Indien, Indonesien, Iran, China, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Russland, Äthiopien und Südafrika.
Internationaler Koordinator des BRICS-Netzwerks ist die Russische Universität der Völkerfreundschaft (RUDN-Universität). Dem russischen Netzwerk gehören 22 Universitäten an, darunter die Staatliche Lomonossow-Universität Moskau (MSU), das Moskauer Staatliche Institut für Internationale Beziehungen (MGIMO), die Wirtschaftshochschule Moskau (HSE) sowie führende Universitäten in St. Petersburg, im Ural und in Sibirien.
https://nu-brics.ru/universities/
2. Netzwerkuniversität der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS)
Es umfasst 48 führende Universitäten aus sieben GUS-Mitgliedstaaten: Aserbaidschan, Armenien, Belarus, Kasachstan, Kirgisistan, Russland und Tadschikistan.
Von russischer Seite sind 24 Hochschulen vertreten, darunter das Moskauer Staatliche Institut für Internationale Beziehungen (MGIMO), die Russische Universität der Völkerfreundschaft (RUDN), das Moskauer Energetische Institut (MEI) sowie zahlreiche regionale Universitäten.
3. Netzwerkuniversität der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ)
Diese Universität vereint 82 Universitäten aus den Mitgliedstaaten der Organisation – China, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Usbekistan, Indien, Pakistan, Belarus, Iran und Russland.
Die russische Seite wird durch 22 führende Universitäten vertreten, darunter das Moskauer Staatliche Institut für Internationale Beziehungen (MGIMO), die Lomonossow-Universität Moskau, die Russische Universität der Völkerfreundschaft (RUDN), das Moskauer Energetische Institut (MEI), die Staatliche Universität Nowosibirsk sowie viele weitere Hochschulen.
https://eng.sectsco.org/20260323/2214781.html
4. Eurasische Netzwerkuniversität
Dem Netzwerk gehören mehr als 30 Hochschulen aus den Mitgliedstaaten der Eurasischen Wirtschaftsunion an: Armenien, Belarus, Kasachstan, Kirgisistan und Russland.
Von russischer Seite sind 19 führende Universitäten und Hochschulen Teil des Konsortiums, darunter das Moskauer Energetische Institut (MEI), die Lomonossow-Universität Moskau, die Staatliche Universität für Management (GUU) sowie weitere Hochschulen.
5. Russisch-Afrikanische Netzwerkuniversität (RAFU)
Dies ist eines der größten und am engsten vernetzten Konsortien mit intensiven Beziehungen und einer besonders effektiven Zusammenarbeit. Ihm gehören 100 russische Hochschulen sowie 68 afrikanische Universitäten aus 15 Ländern an, darunter Südafrika, Simbabwe, Ägypten, die Demokratische Republik Kongo, Algerien und weitere Staaten.
Derzeit studieren nahezu 35.000 afrikanische Studierende an russischen Hochschulen. Ihre Zahl wächst kontinuierlich, ebenso wie die Anzahl der staatlich finanzierten Studienplätze. Im kommenden Jahr wird die Zahl dieser Stipendien- bzw. Förderplätze 4.700 erreichen.
Welche Vorteile bieten Netzwerkuniversitäten?
- Dieses Format ermöglicht es den Studierenden, sowohl in ihrem Heimatland als auch an einer Partnerhochschule zu studieren. Im Rahmen der Programme der Netzwerkuniversitäten können Studierende für ein Semester oder ein Jahr zum Studium in ein anderes Land gehen.
- Zwei oder mehr Abschlüsse: Die Studierenden erhalten einen Abschluss ihrer Heimathochschule sowie einen Abschluss der Partnerhochschule im Ausland.
- Studium in verschiedenen Sprachen: Es gibt Studienprogramme auf Russisch, Englisch und weiteren Sprachen der Mitgliedstaaten. In einigen Fällen wird zusätzlich ein Zertifikat über die Sprachkenntnisse ausgestellt.
- Möglichkeit eines kostenlosen Studiums: An allen russischen Hochschulen kann man einen Studienplatz über eine vom russischen Staat vergebene Quote (Stipendien- bzw. Förderprogramm) erhalten.
- Internationales Umfeld: Austausch mit Studierenden aus Dutzenden von Ländern und die Möglichkeit, wertvolle internationale Kontakte zu knüpfen.
Ein breites Spektrum an Studiengängen, von Geisteswissenschaften bis hin zu technischen Bereichen. Jede Netzwerkuniversität hat ihre eigene Liste von Schwerpunktprogrammen.
Wie kann ich mich an einer Netzwerkuniversität einschreiben?
Die Zulassung zu einer Netzwerkuniversität erfolgt analog zur Zulassung zu einer regulären Universität. Sie müssen sich an einer Universität in Ihrem Heimatland einschreiben, die einem solchen Netzwerk angehört. Über diese Universität können Sie dann Ihre Bewerbung an einer Partneruniversität einreichen.
In Russland bieten alle staatlichen Universitäten Quoten für ein kostenloses Studium für internationale Studierende an.
Lesen Sie unseren Artikel, um zu erfahren, wie Sie sich für ein Studium an einer russischen Universität bewerben und einen Studienplatz erhalten können.